Zum 100. Geburtstag von Katharine Hepburn am 12. Mai
12.05.2007
Große Diva mit Doktorhut
Sie war die letzte große Hollywood-Diva des 20. Jahrhunderts, eine exzellente Verwandlungskünstlerin, aber auch eine selbstbewusste Frau mit reichlich Ecken und Kanten.
Sie war in jeder Beziehung eine außergewöhnliche Frau - ein Star, der für reichlich Superlative sorgte. Katharine Hepburn bekam vier Oscars und wurde zwölfmal nominiert. Zwischen der ersten und der vierten Trophäe lagen 48 Jahre, ein schier unermesslicher Zeitraum in der schnelllebigen Filmwelt.Auch privat sprengte die Arzttochter jedes Klischee. 25 Jahre lang lebte sie mit ihrem Schauspielerkollegen Spencer Tracy (bis zu dessen Tod 1967) ohne Trauschein zusammen, und ehe sie den Weg in die Glimmerwelt Hollywoods fand, hatte sie den Doktorhut in Psychologie und einen Pilotenschein erworben.
Bereits mit 25 Jahren erhielt die am 12. Mai 1907 im US-Bundesstaat Connecticut als Tochter eines Chirurgen geborene Schauspielerin für "Morning Glory" ihren ersten Oscar. Der Auftakt einer einzigartigen Karriere. Neun Filme hat Katharine Hepburn mit ihrem Lebensgefährten Spencer Tracy gedreht, (den Anfang machte 1942 "Die Frau, von der man spricht"), und das prominenteste Hollywood-Paar aller Zeiten präsentierte sich auf der Kinoleinwand beinahe mit den gleichen abgesteckten Rollen wie im Privatleben. Tracy oft der labile, wankelmütige Charakter, die Hepburn an seiner Seite als willensstarke, selbstbewusste, geradlinige Frau. "Er war da, und ich gehörte ihm. Ich merkte, dass ihn Eigenschaften störten, die ich für meine besten hielt. Ich trennte mich von ihnen oder unterdrückte sie, so gut ich konnte", beschrieb Hepburn ihre Beziehung zu Spencer Tracy. Als junge Frau war sie zuvor sechs Jahre mit einem Börsenmakler verheiratet und hatte danach eine Liaison mit dem steinreichen Unternehmer, Regisseur und Luftfahrtpionier Howard Hughes.
Der Dramatiker Tennessee Williams schwärmte von ihrer "Klarheit und Schönheit der Diktion" und der "Reinheit ihrer Intelligenz und Sensibilität". Ihre schauspielerischen Fähigkeiten wurden nie in Zweifel gezogen. Trotzdem stieß Katharine Hepburn in Hollywood wegen ihrer Neigung zur Exzentrik nicht nur auf ungeteilte Sympathie. "Ein fotogenes Knochengerüst und eine Stimme so unerbittlich wie der Bohrer beim Zahnarzt", urteilte die Kritikerin Helen Lawrencon über die Diva.
Riesige Erfolge feierte sie mit dem Howard-Hawks-Komödienklassiker "Leoparden küsst man nicht" (1938), als kämpferische Frau in "Ehekrieg" (1949), als spätes Mädchen in "African Queen" (1951), und auch in ihrer brillanten Altersrolle "Am goldenen See" (an der Seite von Henry Fonda), für die sie 1981 mit dem vierten Oscar ausgezeichnet wurde. Sie gab auf der Leinwand nicht nur die Partnerin von Henry Fonda und Spencer Tracy, sondern auch von den beiden ganz Großen ihrer Generation - von Cary Grant und Humphrey Bogart.
Katharine Hepburn, die mit ihren eher herben Gesichtszügen nie einem Schönheitsideal entsprach, reüssierte nicht nur als Film- und Theaterschauspielerin. Auch als Schriftstellerin stieß sie auf ein breites Echo. The Making of The African Queen hieß ihr 1987 erschienenes Erinnerungsbuch, dem sie drei Jahre später die Autobiografie mit dem durchaus programmatischen Titel Ich folgen ließ. Mit einer gehörigen Portion Humor und Ironie schildert sie darin ihre Auseinandersetzungen mit Regisseur John Huston und den Schauspielerkollegen Humphrey Bogart und Sidney Poitier. Erstmals gab es auch öffentliche Bekenntnisse über ihre Beziehung zu Spencer Tracy.
In einem Interview bekannte Katharine Hepburn 1990 über den Tod: "Ich fürchte mich nicht vor der nächsten Welt oder sonst etwas. Ich habe keine Angst vor der Hölle, und ich freue mich auch nicht auf den Himmel."Am 29. Juni 2003 ist die Schauspielerin, die in den letzten Jahren an Parkinson litt, in ihrem Haus in Old Saybrook (Connecticut) im Alter von 96 Jahren gestorben. Sie war die letzte große Hollywood-Diva des 20. Jahrhunderts, eine exzellente Verwandlungskünstlerin, aber auch eine selbstbewusste Frau mit reichlich Ecken und Kanten.
Peter Mohr