TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 08:18

 

Dieter Hildebrandt wird 80

23.05.2007

Der andere Blick des „Scheibenwischer“

Zum 80. Geburtstag des Kabarettisten Dieter Hildebrandt am 23. Mai

 

"Die kabarettistische Arbeit ist auch eine linguistisch-wissenschaftliche Arbeit. Nur über das Wort, über die Hinterfragung eines Wortes nähert man sich der Satire." Mit diesen Worten beschrieb Dieter Hildebrandt vor zwei Jahren sein künstlerisches Credo.
Die großen Zeiten des politischen Kabaretts sind fraglos vorbei, der tiefsinnige Witz, die politische Polemik und die kritische Ironie wurden vom seichten Slapstick diverser "Comedy"-Formate verdrängt. "Ich bin ein auslaufendes Modell", bekannte der Kabarettist Dieter Hildebrandt bereits vor zehn Jahren. Damals äußerte er sich auch skeptisch über die TV-Zukunft seines "Scheibenwischer".
Unbegründet, denn Hildebrandts Sendung war 23 Jahre und 145 Folgen lang das einzige Kabarett im deutschen Fernsehen und wurde im Oktober 2003 nach einer großen ARD-Abschiedsgala eingestellt.
Dabei war Hildebrandt vor 27 Jahren unfreiwillig vom ZDF zur ARD gewechselt. Der Mainzer Sender hatte damals Hildebrandts Sendereihe "Notizen aus der Provinz" während des Wahlkampfes von höchster Stelle eine Denkpause verordnet.

Hildebrandt und die Politik - das war über mehr als ein Vierteljahrhundert ständiger TV-Präsenz nicht nur in der künstlerischen Umsetzung ein schwieriges Verhältnis. Vor allem aus konservativen Kreisen regte sich häufig heftiger Widerstand. Franz-Josef Strauß, Helmut Kohl und die katholische Kirche attackierte der Adolf-Grimme-Preisträger mit Vorliebe. "Selbst das Bayerische Fernsehen", merkte Hildebrandt einmal (beinahe enttäuscht) an, "hat nur einmal abgeschaltet. Dabei mache ich doch wirklich, was ich will, und keiner redet mir rein." Das war 1986 - unmittelbar nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.
Dieter Hildebrandt, der am 23. Mai 1927 im niederschlesischen Bunzlau geboren wurde und später in München Literatur- und Theaterwissenschaft studierte, wollte eigentlich Sportreporter werden. War es Zufall, dass ausgerechnet ein renommierter Sportjournalist Hildebrandts kabarettistisches Talent erkannte und früh förderte?
Zusammen mit Sammy Drechsel gründete er 1956 die Münchener Lach- und Schießgesellschaft, das bedeutendste Kabarettensemble der Nachkriegszeit. Mehr als 30 Jahre arbeiteten beide zusammen, und Sammy Drechsel führte bei der ersten TV-Ausstrahlung des "Scheibenwischer" Regie.

Dieter Hildebrandt, der seit vielen Jahern in Waldperlach im Osten Münchens wohnt, ist nicht nur ein Meister des Wortes, der hintersinnige, manchmal auch zynische Pointen zu platzieren versteht, sondern auch (und dies wird oft unterschlagen) ein hochbegabter Schauspieler, der seine Vorträge durch ein facettenreiches Spiel von Mimik und Gestik zu untermalen versteht.
Anscheinend zusammenhanglos (in freier Assoziation) polemisiert er frech drauf los, lässt seine Blicke - mal fragend, mal suchend - durchs Publikum schweifen. Was wie eine einzige große Improvisationsnummer wirkt, hat Dieter Hildebrandt künstlerisch verinnerlicht und zu seinem persönlichen Stil perfektioniert.

Darüber hinaus hat der Träger des Alternativen Büchnerpreises eine ganze Generation von Kabarettisten geprägt und gefördert. Ob Lisa Fitz, Richard Rogler, Jochen Busse, Werner Schneyder, der verstorbene Matthias Beltz, seine zweite Ehefrau Renate Küster oder Bruno Jonas und Mathias Richling - alle standen sie schon mit Hildebrandt im "Scheibenwischer" auf der Bühne und vor den TV-Kameras.
Der unangepasste Querdenker Hildebrandt, der 2004 für sein Lebenswerk zum vierten Mal mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, hat sich seinen Esprit und seinen geradezu jugendlich anmutenden Elan bewahrt, wie sein neues Buch beweist. Der Titel räumt aber alle Zweifel aus: Nie wieder achtzig.

Peter Mohr


Buchtipp:
Dieter Hildebrandt: Nie wieder achtzig. Karl Blessing Verlag, München 2007, 240 Seiten, 19,95 Euro

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...