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Freitag, 25. Mai 2012 | 08:23

 

Edgar Reitz wird 75

01.11.2007

Dem Hunsrück ein Denkmal gesetzt

Zum 75. Geburtstag des Regisseurs Edgar Reitz am 1. November

 

"Der außergewöhnliche Filmregisseur, vorbildliche Filmlehrer und visionäre Filmpolitiker hat in seiner kreativen und akademischen Praxis Wissenschaft, Kino und Fernsehen verbunden. Neben seinen mehr als 30 Filmen ist die Heimat-Trilogie zu einem einzigartigen und weltweit bewunderten Meilenstein der deutschen Filmgeschichte geworden." Mit diesen Worten begründete Bundespräsident Horst Köhler im Juni 2006 die Verleihung des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik an den Filmregisseur Edgar Reitz.

Edgar Reitz, der am 1. November 1932 im Hunsrückdorf Morbach (unweit von Simmern) als Sohn eines Uhrmachers geboren wurde und später Germanistik, Theater- und Kunstgeschichte studierte, ist als Regisseur ein erfolgreicher "Geschichtenerzähler", dem es am Herzen liegt, Geschichte verständlich zu machen - aus dem Blick von unten, aus der Perspektive der einfachen Leute.

Mit seinem filmischen Monumentalepos "Heimat", das an Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" erinnert, schaffte er 1984 den großen Durchbruch. Reitz begleitet die Bewohner eines Hunsrückdorfes, vor allem aber die Familie des Kriegsheimkehrers Paul Simon, durch ihr Leben. Die für heutige TV-Zuschauer langatmige, aber dennoch fesselnde Handlung setzt nach dem Ersten Weltkrieg ein und endet nach der 11. Folge in der Gegenwart der 80er Jahre. Die Verflechtung des individuellen Leids mit den zeitgeschichtlichen Zäsuren, Reitz' subtiles Gespür für Details, und das sorgfältige Wechselspiel zwischen Schwarz-Weiß- und Farbbildern fand sowohl beim Publikum (weltweit über 100 Millionen Zuschauer) als auch bei der Kritik (u.a. mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet) ein nachhaltiges Echo.

"Reitz hat dem Hunsrück und seinen Bewohnern weltweit einen Platz in der Filmgeschichte gesichert und den vorbelasteten Begriff Heimat ästhetisch wie inhaltlich neu definiert", hieß es im Jahr 2000 in der Jurybegründung, als ihm der Staatskunstpreis von Rheinland-Pfalz verliehen wurde.

Begonnen hatte der Wahl-Münchener mit anspruchsvollen Werbefilmen, die ihm früh die materielle Unabhängigkeit für seine filmische Pionierarbeit verschafften. Reitz war 1962 einer der Initiatoren des "Oberhausener Manifests", in dem junge progressive Filmemacher dem traditionellen deutschen Kino den Kampf ansagten. Zusammen mit seinem gleichaltrigen Freund Alexander Kluge gründete Reitz das Institut für Filmgestaltung in Ulm.Im Gegensatz zum Publikum war die internationale Filmkritik schon früh auf Reitz aufmerksam geworden. Sein erster Spielfilm "Mahlzeiten" (1966) wurde in Venedig als "bester Debütfilm" ausgezeichnet.

Die intellektuell anspruchsvollere Fortsetzung der Jahrhundert-Chronik ("Die zweite Heimat", u.a. mit Veronica Ferres und Hannelore Hoger), in der die Musik eine zentrale Rolle einnimmt, wurde 1992 im Ausland hymnisch gefeiert, aber in Deutschland war sie ein Bildschirm-Flop.

Doch Edgar Reitz, der kürzlich mit dem Konrad-Wolf-Preis ausgezeichnet wurde, ließ sich von derlei Rückschlägen nicht unterkriegen und arbeitete fast besessen an der dritten "Heimat"-Staffel, die unter dem Titel "Chronik einer Zeitenwende" die Jahre von 1989 bis 2000 abdeckte. Deutsche Biografien kreuzen sich unweit der Loreley, wo das Gros des Films gedreht wurde.

Als Co-Autor hatte Reitz den in der ehemaligen DDR aufgewachsenen Schriftsteller Thomas Brussig ("Helden wie wir", "Am kürzeren Ende der Sonnenallee") gewinnen können. Der "Ostexperte", immerhin 33 Jahre jünger als Reitz, war begeistert von der Zusammenarbeit. "Ich denke, dass Edgar Reitz mit seinem Feuereifer und seiner geistigen Beweglichkeit zu den jüngsten Filmemachern Deutschlands gehört", so Brussigs Kompliment an den Jubilar.

Peter Mohr

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