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Elke Heidenreich wird 65!

15.02.2008

"Unser Elke"

Elke Heidenreich rackert workaholic-mäßig für die Literatur, mit einem Vergnügen, das sich überträgt.

 

„Möge die Macht mit dir sein“ – wer das heute einem Autor wünscht, denkt weniger an Star Wars denn an Elke Heidenreich. In der deutschsprachigen Literaturszene ist sie die absolute Verkaufszahlenbeschleunigerin. Empfiehlt sie ein Buch in ihrer Sendung „Lesen!“ (und in „Lesen!“ wird nur empfohlen), rollt es kantapper, kantapper in die Bestsellerlisten, und sei der Autor noch so unbekannt.

Ein schönes Beispiel: Über Steve Tesichs 500-Seiten-Roman Ein letzter Sommer aus dem Schweizer Kleinverlag Kein & Aber sagte sie: „Ich möchte, dass dieses Buch richtig berühmt wird.“ Und so geschah es (verkaufte Exemplare bislang: 200 000). Das Publikum vertraut ihr.
Das weibliche wohl vor allem. Und schon schleicht sich ein Beigeschmack ein: Ist die Literatur, die sie preist, nicht einfach die zeitgemäße Variante von Herz & Schmerz? Wollen Frauen je etwas anderes lesen? Wie steht es da mit dem berühmten Niwo? Und kommt unser Elke, zweiter Einwand, nicht aus der Unterhaltungsfabrik, Abteilung Humor für alle?

Nicht nur, nicht ganz

Sie hat für das Kindler-Literaturlexikon geschrieben und war Gast beim Schiller-Special des Literarischen Quartetts. Doch die größte Überraschung für ihre Verächter war zweifellos ihre Hommage an Gottfried Benn 2004. Wer hätte das erwartet? Zwei ganze Seiten stellte ihr die FAZ zur Verfügung für die Darstellung einer lebenslangen Liebesbeziehung, denn darauf lief es hinaus. Sie analysierte nicht, sie erzählte, wie es ihr mit Benn ergangen war, mit den Texten, der Person und der Stimme – gerade war die Höredition Benn liest Benn bei Zweitausendeins erschienen. Wie sie als junges Mädchen die Gedichte entdeckte, welche Bauchschmerzen ihr später Benns Parteinahme für den Faschismus machte, wie die Stimme zu ihr sprach. Sehr unwissenschaftlich, das alles, sehr gut zu lesen, kundig und anrührend.

Dabei ist unser Elke ja selten sentimental, sie kann auch hervorragend austeilen, und unters Messer ihrer Schlagfertigkeit möchte man nicht geraten. Neben ihr bella figura zu machen, wenn sie das nicht will, dürfte ziemlich schwierig sein. In einem Interview hat sie deutlich geäußert, dass und warum sie keine Kinder wollte – also auf die Frauenschiene ist ihre Dampflok so eindeutig nicht zu setzen. Sie rackert einfach workaholic-mäßig für die Literatur, mit einem Vergnügen, das sich überträgt. Demnächst wieder bei der lit.COLOGNE, wo sie mit einer großen Veranstaltung in der Kölner Oper (die sie mühelos füllen wird) eine Lanze für die Lyrik brechen will. Gut, gut, nickt man. Ihr Gesprächspartner ist Karl Otto Conrady, Herausgeber einer seit Jahrzehnten erfolgreichen Standard-Anthologie. Ach, seufzt man, und: Muss das sein? Die Präsentation von Bekanntem, Bewährtem? Gutbürgerlich alles, von Bürger bis Benn bis Kunze? Das wollen wir doch nicht hoffen.

Vielleicht zieht sie ja doch noch die BELLA triste aus dem Samtjäckchen. Jung genug wäre sie.

Steffen Rizz

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