Sie begann alles andere als nordisch kühl: Die größte Buchmesse Skandinaviens, die „Bok & Bibliotek“ in Göteborg (24.09. – 27.09.), erwartete am ersten Tag des Fachpublikums traditionell die Lehrer und Bibliothekare. Fachlich-konzentriert ging es dann an den Verkaufsständen zu, an denen Bücher zum Messepreis angeboten wurden: Die Fachbesucher deckten sich erst einmal mit günstigen Romanen ein, bevor sie über Unterrichtslektüren diskutierten. Insgesamt kamen an den vier Messetagen rund 98 000 Besucher zu 1000 Ausstellern auf 13 000 Quadratmetern – wenn die Leidenschaft für Bücher der Raumtemperatur entsprach, braucht sich die Branche nicht zu sorgen.
Der Buchmarkt in Schweden hat sich, fast 40 Jahre nach Aufhebung der Buchpreisbindung, konzentriert: Bonnier und Norstedts, die Branchenriesen, präsentierten sich hier wie in den Buchhandlungen auf den besten Plätzen; Ihre Aushängeschild-Autoren lasen und signierten im Stundentakt. Neben Verlagen aller Größenordnungen stellten auffallend viele Andere ihre Arbeit vor: Non-Profit-Organisationen, Bildungsträger und politische Einrichtungen. „Wir wollen den Menschen erklären, was Schweden in der EU bewirken kann“, erklärt eine Mitarbeiterin am Stand der Schwedischen Regierung, „Viele Leute denken, wir könnten jetzt alles in der EU entscheiden.“ Politisch aktuell ist auch der Auftritt Finnlands und seinem Verhältnis zu Schweden: Sonderveranstaltungen widmeten sich in diesem Jahr der Unabhängigkeit Finnlands von Schweden, die das Nachbarland vor genau 200 Jahren erlangte.
Schwerpunktthemen waren in diesem Jahr Spanien und die spanischsprachige Literatur. Dicht gedrängt lauschten die Besucher Isabel Allende, die über ihr neuestes Buch, „Das Siegel der Tage“ (erscheint im November 2009), sprach, in dem sie ihren Abschied von ihrer Tochter Paula schildert.
Per Olov Enquis Preis an Helle Helle
Bekannt ist die „Bok & Bibliotek“ auch für ihr Seminarprogramm, das sich nicht nur an Fachbesucher, sondern auch an das Publikum richtet. Fast 500 Veranstaltungen über Themen wie „Literatur für Kinder – Werkzeuge für die Demokratie“ über „Fantasy-Romane für Erwachsene“ bis zu „Die erzählerische Kraft der Fotografie“ standen in diesem Jahr auf dem Plan.
Traditionell wurde auf der Göteborger Messe der Per Olov Enquist Preis an junge europäische Schriftsteller verliehen – in der Vergangenheit erhielten ihn 2005 und 2008 zwei deutsche Nachwuchsautoren: Julie Zeh und Daniel Kehlmann. Dieses Jahr war es die Dänin Helle Helle, der Per Olov Enquist den Preis für ihren „meisterlichen Minimalismus“ überreichte.
Deutschsprachige Literatur gab es am Stand des Zentrums für Österreichstudien, das in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Schweden, und der Deutschen und der Schweizerischen Botschaft unter anderem die Autoren Uwe Timm, Norbert Gstrein und Lukas Hartmann vorstellte. Die deutsche Sprache ist an schwedischen Schulen auf dem Rückzug: „In den letzten sieben Jahren hat sich die Anzahl der Schüler, die Deutsch als Fremdsprache lernen, halbiert“, so ein Sprachberater des Österreichzentrums.
Vielleicht ändert sich das durch den Literaturnobelpreis für Herta Müller. Er war jedenfalls Anlass genug für eine Pressemitteilung der Buchmesse am 9. Oktober 2009: „Die diesjährige Nobelpreisträgerin Herta Müller war bereits zweimal Gast auf der Buchmesse, 1993 und 2008.“