Deef Pirmasens, wie fühlt man sich, wenn man den Shootingstar der deutschen Literaturszene quasi abgeschossen hat?
Darum ging´s mir ja gar nicht. Mir ging´s darum, aufmerksam zu machen, dass es eben einen anderen Autor gibt, der Teile von dem, was sie sagt schon geschrieben hat, und der leider nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat, die sie bekommt. Der nicht in den Feuilletons besprochen wurde.
Wie bist Du dahinter gekommen, dass sie aus einem Roman des Untergrundschriftstellers und Bloggers Airen abgeschrieben hat?
Die Situation ist die, dass ich das Buch von Airen ziemlich gut kenne, weil ich letztes Jahr in München eine Lesung mit Texten daraus gemacht habe. Dann sind mir aber bestimmte Worte aufgefallen, Formulierungen, die rausstechen aus ihrem Text, Wörter wie Technoplastizität, Wörter wie Vaselinetitten und noch ein paar andere, und das hat mich daran erinnert, dass Airen diese Wörter auch verwendet hat. Und ich dachte dann zuerst, na mein Gott, das kann Zufall sein, aber es wurde immer mehr und am Schluss waren´s dann ja, weiß nicht, so 10-12 Passagen, teilweise auch fast ganze Sätze und Motive.
Wie viel hat sie denn insgesamt abgeschrieben?
Die wortwörtlichen Stellen sind so zehn, die sehr markant sind. Und abgesehen davon hat sie zum Beispiel am Schluss des Buches einen Brief, den die tote Mutter an die Protagonistin schreibt, ein hasserfüllter Brief, der auch oft zitiert wurde im Feuilleton und sehr gelobt wurde, und dieser Brief, ist der von Helene Hegemann übersetzte Wortlaut des Songs „Fuck you“ von der Band „Archive“ aus dem Jahr 2005, was sie nicht kenntlich macht. Und das ist schon ganz schön dreist.