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Freitag, 25. Mai 2012 | 08:51

 

TITEL-Interview mit Eli Roth - und Gewinnspiel!

30.09.2010

,,Ich dachte, ich wäre vom Teufel besessen."

Die Tagline seines Debütfilms Hostel wurde bittere Ernst für die Filmzensoren der FSK: „Welcome to Your worst Nightmare“. Beim Interview mit Regisseur und Produzent Eli Roth blitzen statt Folterwaffen dessen Intelligenz und Humor. Zum Start seiner Produktion The Last Exorcism traf LIDA BACH das enfant terribile des Horror-Films.

 

Was gefiel Dir am Script so gut, dass Du Deinen Namen darauf setzen wolltest?

 

Ich wollte immer an einem Film über Besessenheit mitwirken. Ich las das Script und dachte: Das ist so eine clevere, zeitgenössische Sicht auf eine Story über Besessenheit, ich muss dazu beitragen, diesen Film entstehen zu lassen! Wenn ich glaubte, ich hätte den Film durchschaut, kam eine neue Wendung. Es ist nicht nur einfach eine Geschichte über Besessenheit, sie zeigt den Zusammenprall von Wissenschaft und Religion in Amerika. Besonders interessant fand ich, dass der Reverend von der wissenschaftlichen Seite kommt und sagt: Sie ist verrückt, sie braucht einen Psychiater und der Vater war überzeugt religiös.

 

Was fasziniert Dich an der Thematik?

 

Ich war immer interessiert an Besessenheit als Gegenteil einer psychiatrischen Erkrankung. Du siehst jemanden, der ein anderer Mensch scheint und denkst: Was ist in ihn gefahren?! Dieser Ausdruck ist die Essenz von „Besessenheit“. Mein Vater war Psychoanalytiker, daher wuchs ich mit einer sehr psychologischen Sichtweise auf. Doch als ich als Kind The Exorcist sah, hatte ich Todesangst!

 

Das Script erinnerte mich an Vampire. Was mit Nosferatu anfing, ist heute Twilight, True Blood, The Vampire Diaries... Nach Shaun of the Dead kam Zombieland. Die Zombie-Apokalypse ist eine Riesensache geworden, die George A. Romero begonnen hat. Aber die Kids kennen nicht einmal Night of the Living Dead. Ich dachte, es sei Zeit, obwohl The Exorcist eine filmische Ikone ist, für so eine großartige neue Sichtweise.

 

Hast Du ein Lieblingsgenre?

 

Ich mag alle Arten des Horror-Spektrums. Peter-Jackson-Slapstick, Robert Wises The Haunting - sogar Texas Chainsaw Massacer ist ein ziemlich blutfreier Film. Ich wollte auch immer an einem solchen Film mitwirken und dachte, dass ist eine großartige Möglichkeit, zu zeigen, das Horror auf vielen Ebenen funktioniert. Die Leute assoziieren mich so sehr mit Gewalt und dem Zerhacken von Körperteilen – was das ultimative Kompliment ist! Obwohl ich meinen Namen unter diesen Film setze, ist er nicht brutal, sondern etwas Besonderes.

 

Betrachtest Du den Begriff „Torture Porn“, mit dem Gore herabgesetzt werden soll, als Beleidigung oder eignest Du ihn Dir als eine Art Kompliment an?

 

Wenn man einen Film wie die Hostel-Filme macht, versucht man nicht, allen zu gefallen. Die Leute, die sich am meisten über Hostel aufgeregt haben, sind diejenigen, die ihn nicht gesehen haben. Sie haben davon gehört oder Bilder gesehen.Oder die Gewalt hat sie blind gemacht für alles andere darin. Zeit ist der große Gleichmacher: Hostel-Filme werden weiterhin diskutiert. In George Bushs Amerika reflektierten Horrorfilme die Gewalt, die Folter, El Quaida. „Torture Porn“ wird heute von Horror-Fans als Signalcode dafür verwendet, dass Kritiker keine Ahnung haben, worüber sie reden und sagen: „Das ist bloß Torture Porn.“ Ich reagiere auf diesen Begriff überhaupt nicht, weil er so dumm ist. Er sagt wesentlich mehr über den Kritiker aus, als über den Film.

 

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Beantworten Sie nur die folgende Frage:


Fürchtet sich der Horror-Produzent ELI ROTH vor Blut?

(5)Ja
(4)Nein

Du engagierst Dich bei PETA gegen Tierquälerei. Empfindest Du die Darstellung filmischer Gewalt gegen Tiere und Menschen als unterschiedlich?

 

Es gibt keine filmische Gewalt. Es ist Vortäuschung. Es sind nur Filmcharaktere.

 

Manche könnten Dich hassen, weil Du religiösen Fanatismus kritisierst.

 

Wer kritisiert nicht Fanatismus?

 

Nicht nur in den USA gibt es viele Menschen, die ihn, auch politisch, schätzen.

 

Natürlich bin ich mir des religiösen Amerikas bewusst. Du hast Freunde und findest plötzlich heraus, dass sie so ungeheuer gläubig sind, dass sie denken, die Welt sei in sieben Tage geschaffen.

 

Lehnen solche Leute The Last Exorcism ab?

 

Dieser wurde mit 1,5 Millionen Dollar hergestellt und nahm am ersten Wochenende 20 Millionen ein. Diese Thema spricht die Leute eindeutig an. Teil des Grundes ist, dass religiöse Leute den Film lieben. Er zeigt ihre Sichtweise sehr fair und respektvoll. Sie sehen den Film als Mahnung, da Cotton niemals an den Teufel glaubt. Er wird auf die Probe gestellt und versagt jedes mal. Dafür zahlt er den Preis. Leute, die fanatisch religiös sind, stimmen mit dieser Botschaft überein. Die, die nicht religiös sind, sind geschockt. Es macht Spaß, diese Diskussion zu verfolgen, aber der Film ergreift keine Partei. Er zeigt beide Seiten, von denen sich keine beugen will. Tatsächlich geht es um das Aufeinanderprallen dieser Kräfte.

 

Welcher war der erste Film, der Dir Angst machte?

 

The Exorcist hat mich traumatisiert, als ich sechs Jahre alt war. Ich dachte, ich würde vom Teufel besessen werden. Meine Eltern sagten, wir sind Juden, daran glauben wir nicht. Aber ich glaubte, ich würde des Teufels Test-Fall, indem ein Jude besessen wird. Viele würden sagen, ich bin es.

 

Wie siehst Du die Zukunft des Horror-Genres?

 

Es wird weiterhin Big-Budget-Horror geben, aber die Zukunft gehört kleinen Independent-Filmen, die sich real anfühlen und einfach unheimlich sind.

 

Wird man Dich nochmal schauspielern sehen?

 

Das hab ich für Tarantino getan. Aber es gibt nur einen Tarantino. Wenn ich nicht Tarantino oder einem Floß mit zwanzig nackten Frauen vorkommen, wird es schwer, mich dazu zu kriegen.

 

Fürchtest Du Dich wirklich vor Blut?

 

Nein. Aber ich mag es nicht besonders.

 

Vielen Dank Eli Roth für das Interview!


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