90 Jahre wäre er dieser Tage also geworden, wenn ein noch mächtigerer Gott ihn nicht im Juni 2002, pünktlich während der Weltmeisterschaft, vom Platz genommen hätte (um ein altes Sprichwort zu bemühen).
An dieser Stelle sämtliche Stationen der sportlichen Karriere des Fritz Walter stumpf herunterzubeten, hieße sicherlich, Eulen nach Athen zu tragen, deshalb in aller Kürze: Zwei Deutsche Meisterschaften, 1954 dann Kapitän jener Mannschaft, die das nach frühem Rückstand bereits verloren geglaubte Spiel gegen den großen Favoriten Ungarn noch drehte; das sogenannte "Wunder von Bern", gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Ottmar.
Fußballinteressierte wissen natürlich um Fritz Walters Liebesbeziehung zu "seinem" Verein, dem 1. FC Kaiserslautern, bei dem er als kleiner Steppke im Vorprogramm begann und dem er, trotz für die damalige Zeit sensationeller Angebote aus dem Ausland, bis zum Ende der aktiven Laufbahn im Jahre 1959 treu blieb. In 384 Vereins-Spielen erzielte er unglaubliche 327 Tore. Eine sensationelle Quote, gerade weil Walter als Halbstürmer auflief, also nicht wirklich im Sturm, sondern im offensiven Mittelfeld spielte. Letztes Länderspiel 1958, obwohl Sepp Herberger ihn 1962 zur WM in Chile nahezu anbettelte, die Stollen nochmals in den Rasen zu bohren. Danach die Arbeit als Fußballkommentator für Rundfunksender, Werbeträger, Buchautor, repräsentative Aufgaben für die Sepp-Herberger-Stiftung und adidas.
Auszeichnungen hat Fritz Walter in seinem Leben viele erhalten. Als erster Spieler überhaupt wurde er zum Ehrenspielführer der Nationalelf ernannt. Neben unzähligen Medaillen und drei Silbernen Lorbeerblättern taufte die Deutsche Bahn einen Zug auf seinen Namen, Straßen und Wege, und natürlich, 1985, die Krönung für den deutschen Fußballer, der wie kein anderer mit seinem Verein verschmolzen war: die Umbenennung des altehrwürdigen Betzenbergs in "Fritz-Walter-Stadion".