Gehalt statt Getue
Heute, inmitten des Techno-Gedröhns, das den Menschen marginalisiert, bekommen die Musik und der ruhige Gesang einer Joan Baez wieder eine widerständige Qualität. Sie singt über den sexuellen Missbrauch von Kindern, über Schikanen gegen illegale mexikanische Einwanderer und natürlich immer noch die altvertrauten Songs von »the night they drove old Dixie down«, vom Gewerkschafter Joe Hill, den man ermordet hat und der doch stets dabei ist, wo Arbeiter streiken und sich organisieren, von Diamonds and Rust, Dylans geniales Don't Think Twice von 1963, das auch zu den ersten großen Erfolgen der Baez gehörte, Violetta Parras Gracias A La Vida, Paul Simons The Boxer, Leonard Cohens schönstes Lied Suzanne, und, wie ein Bekenntnis - Forever Young.
Ihre Lieder erzählen stets Geschichten. Musikalisch sind sie meist schlicht. Der Text soll auch nicht von Arrangements zugedeckt werden. Joan Baez verzichtet bei ihren Auftritten auf jegliche Show. Sie sitzt da, singt, lächelt ihren Mitmusikern zu und blamiert mit künstlerischer Substanz jene zunehmende Auffassung von Entertainment, die meint, auf Grimassieren und Aktion, auf läppisches Getue und dämliche Sprüche nicht verzichten zu können. Nicht alle Amerikanerinnen, werden wir belehrt, feixen so gnadenlos aufdringlich wie jene, die uns die Fernsehserien bescheren.
Auf George W. Bush folgte, immerhin, Barack Obama. Vielleicht haben wir ja Glück und es findet sich auch für Lady Gaga eine Nachfolgerin, eine neue Joan Baez. Erst einmal gratulieren wir der alten zum 70. Here‘s to you, Joan!

