Toni Morrison, die am 18. Februar 1931 unter dem bürgerlichen Namen Chloe Anthony Wofford in Lorain/Ohio geboren wurde, schloss ihr Studium an der renommierten Cornell University mit einer Arbeit über den Selbstmord in den Werken von William Faulkner und Virginia Woolf ab. Danach arbeitete sie zunächst als Lektorin bei Random House und später als Professorin in Princeton.
Unter dem Einfluss von James Baldwin hatte Toni Morrison bereits 1960 zu schreiben begonnen, doch bis zur Veröffentlichung ihres ersten Romans dauerte es zehn Jahre. »Spracharbeit ist das Maß eines gelungenen Lebens«, erklärte sie in ihrer Stockholmer Dankesrede, als sie 1993 als erste farbige Autorin den Nobelpreis erhielt.
Sprachlich und kompositorisch hat sich Toni Morrison von ihren Anfängen bis heute gewaltig weiter entwickelt. Geblieben ist aber ihr ungebremster Aufklärungswille und ihr leidenschaftliches emanzipatorisches Grundmotiv. »Rassismus ist heute so virulent wie zur Zeit der Aufklärung«, erklärte Toni Morrison vor einigen Jahren.
Sie ist nicht nur gegen die Unterdrückung der Farbigen schreibend zu Felde gezogen, sondern hat auch immer für die Rechte der Frauen gestritten - zuletzt im 1999 in deutscher Übersetzung erschienenen Roman Paradies. Ihr bis heute gelungenstes, weil formal anspruchsvollstes Werk ist die Ballade Jazz (1992), die von amerikanischen Kritikern als »eine Mischung aus Duke Ellington, William Faulkner und Maria Callas« bezeichnet wurde. In diesem postmodernen Sprachspiel hat Toni Morrison, die vor drei Monaten zur Ritterin der französischen Ehrenlegion geschlagen wurde, aus jazzartigen Versatzstücken ein blutiges Beziehungsgeflecht zwischen drei Frauen und einem Mann komponiert. Vor zwei Jahren war ihr letzter Roman Liebe erschienen, der aus Rückblicken, die bis in die 30er Jahre reichen, ein opulentes Hassgemälde zeichnet und dessen tatsächliches Handlungssujet die Zerstörung der Liebe ist.
Toni Morrison, die international anerkannte Stimme der farbigen US-Bevölkerung, feiert heute in Princeton ihren 80. Geburtstag. Dort lebt sie seit mehr als 15 Jahren - seit sie bei einem Wohnungsbrand in Nyack wertvolle Originalmanuskripte verloren hat.
