Die »Pest« des italienischen Theaters
Kaum ein anderer Autor seiner Popularität ist im eigenen Land so umstritten und angefeindet. Pier Paolo Pasolini befand einst über Fo: »Eine Art Pest, die das italienische Theater befallen hat.« Doch nicht nur in Intellektuellenkreisen, denen Fo wegen seiner unkonventionellen Volksnähe ein Dorn im Auge war, regten sich die Kritiker. Politiker, Richter, Fernsehanstalten und vor allem die katholische Kirche erklärten den Nobelpreisträger zu einer Art Persona non grata. Verschiedene Fernsehsender verbannten ihn vom Bildschirm, einige Male wurde er auf der Bühne von der Polizei verhaftet, und die USA verweigerten ihm zweimal die Einreise.
Dario Fo, der am 24. März 1926 in San Giano am Lago Maggiore als Sohn eines Eisenbahnangestellten geboren wurde, ist eigentlich ein Verlierer par excellence. Sein Studium der Malerei und Architektur brach er ab; seine ersten Stücke, die er mit einer 1959 gemeinsam mit seiner Ehefrau Franca Reme gegründeten Theatergruppe aufführte, wurden verboten.
Doch seine großen Publikumserfolge, die sich zunächst außerhalb Italiens Ende der 70er Jahre mit den Stücken Bezahlt wird nicht und Zufälliger Tod eines Anarchisten einstellten, führten nach und nach auch zu einem Umdenken bei der Fachwelt, die mit der Fo'schen Volkstümlichkeit lange ihre Probleme hatte. Des Autors Satz »der erste und letzte Zweck des Theaters ist Unterhaltung« war für viele Autorenkollegen und Theaterkritiker ein Stich ins Herz.
Doch gerade seine von allen Stilrichtungen und Modetrends unabhängigen Stücke, in denen er scharfzüngig und provozierend gegen die moralische Doppelbödigkeit der Spießergesellschaft zu Felde zog, begründeten die Erfolge des »Enfant terrible«.