Wie hoch ist die Bedeutung des Namens in der Gesellschaft oder sind Namen nur Schall und Rauch?
Heutzutage kann man nicht mehr so einen Namen eins zu eins zuordnen. Was dadurch passiert ist, dass Namen sehr mit Vorurteilen behaftet sind. Es geht weniger um das Verhältnis zur Identität, was Namen heute haben, als um die Vorurteile. Das ist das, was Arthur Martin zeigt und, um dies abzuschließen: wenn man Levi heißt, muss man heute bei weitem nicht mehr jüdisch sein.
Ist es nicht eine gute Entwicklung, wenn die Bedeutung des Namens sich verringert hat?
Vorurteile gibt es nach wie vor. Das Positive lässt sich nur erkennen, wenn man sich dessen bewusst ist.
Manche glauben, für die Generation der 60er und 70er Jahre wären Religion und Nationalität weniger wichtig gewesen, während die Menschen sich heute wieder stärker darauf besinnen.
Bahia ist typisch für eine Person aus den siebziger Jahren. Sie glaubt eben noch daran, dass man die Welt verändern kann und sie glaubt daran, dass die Liebe die Welt verändern kann. Dass ist heute alles ein bisschen anders. Was uns wichtig war bei diesem Film, war, über diejenigen zu reden, die sich nicht auf sich selbst besinnen wollen, die sich nicht auf eine Gruppe oder auf ihre Herkunft konzentrieren wollen. Die dafür stehen, dass wir heute in einer Gesellschaft leben, die sehr viel durchmischter ist. Wo der andere akzeptiert wird, wo man auch Ausländer eher akzeptiert.
In Ihrem Film ist der Name auch Symbol für den Umgang der Charaktere mit ihrer Familienbiografie. Wie bedeutsam ist dieser Aspekt, nicht nur im Bezug auf den Namen?
Um die Frage zu beantworten möchte ich trotzdem von den Namen ausgehen. Mein Name, Michel Leclerc, ist ein gewöhnlicher Namen. Man setzt voraus, dass ich immer Franzose war. Für Bahia Kasmi, meine Co-Szenaristin und meine Partnerin, ist es zur Gewohnheit geworden, weil man bei einem exotischeren Namen immer fragt: Woher kommst du?