Narrischer Bulldogfahrer auf großer Fahrt
Der 31-jährige ist einen langen Weg gegangen, um bei der Musik zu landen. Er hat Lehren abgebrochen, sich mit eher ungewöhnlichen Jobs wie Pistenraupenpilot oder Seilbahnführer durchgeschlagen oder als Haus- und Hofmechaniker bei La Brass Banda ausgeholfen. Der Trip mit den ebenso wie Steff aus Übersee am Chiemsee stammenden Erfolgstruppe per Mofas und Oldtimer-Bulldog (Traktor) nach Wien zur EM 2008 machte ihm klar: auch der zu dieser Zeit angestrebte Weg zum Bildhauer ist nicht das, was es wirklich bringt. Er entschloss sich, es kurzerhand ernsthaft mit der Musik zu versuchen – und erzielte mit dem 2009 selbstproduzierten und vertriebenen Album Bulldogfahrer einen beachtlichen Erfolg: 10.000 verkaufte Alben! Gemeinsame Auftritte mit La Brass Banda und ein Auftritt bei Otti Fischers Schlachthof mit dem hitverdächtigen Kaibeziang waren willkommene Erfolgsbeschleuniger. Nun ist mit Narrisch bei Millaphon das zweite Album von Keller Steff und Band erschienen. Wieder bewegt er sich zwischen deutlichen Blueswurzeln und bayrischen Liedermachertum. Musikalisch gereift und ergänzt um Chris Stöger (Schlagzeug), Franz Gries (Gitarre) und Gerhard Zimmermann (Bass) ist es ein wirklich eine narrisch guade Plattn gwordn. Besonders weil man merkt, dass hier jemand den Mut findet Geschichten zu erzählen, die etwas mit seinem eigenen Leben zu tun haben. Ob Abbruch der Lehre (Lehrbua), streitende Großeltern (Oma und Opa) oder das Anecken bei den Eltern (Narrisch – “ja sog amoi bua, ha, wia host es denn eigentlich, ha, wenn du so weida machst, dann hoi i an contähna, dann schmeiß i di ausse mit deim ganzn graffe, und hoam kema brauchds a nimmer, des garantier i da, du bist ja nimma ganz da bua, ja sog a moi bist denn du total narrisch (…) a jeda von deine speze füäd a anstendigs lebm, kinder, frau haus, vielleicht sogar a hackschnitzelheitzung, wos is´n da dabei, wenn ma si amaoi aweng zammreißt, ha, wos is´n do dabei, oiwe mit deine musikerdeppen umandaziagn, des is ja woi ned normal, ja du bist ja ned bei da sach, i glab dir hods an kindawogn eineghagelt, sog amoi bua, bist du denn total naaaaarrrrisch!!“), hier werden mehr oder weniger autobiographische Themen mit dem nötigen Ernst und gleichzeitig jeder Menge Humor aufs unterhaltsamste behandelt. Auch in ruhigeren Momenten wissen der Keller Steff und seine Burschn absolut zu überzeugen. So war es eine weise Entscheidung, das bereits auf dem Debut zu findende melancholische Marionetten in etwas aufpolierter Version noch einmal mit drauf zu packen. Ein zeitlos schönes Lied!
Millaphon hat jetzt schon für frischen Südwind gesorgt. Auf weitere Taten darf man sehr gespannt sein.