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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:11

Interview mit "Attack the Block"-Regisseur Joe Cornish und Darsteller Nick Frost

29.09.2011

»Gutes Erzählen funktioniert nur, wenn man etwas fühlt.«

Wie nach einem Bombeneinschlag sieht das Londoner Ghetto in Attack the Block aus. Grund dafür sind in Joe Cornishs Sci-Fi-Horror nicht die realen Riots aus den Nachrichten, sondern eine innerstädtische Alien-Invasion. Doch mit der Bande krimineller Jugendbande, die sich mit ihnen anlegt, sind die schwarzen Weltall-Biester an die Falschen geraten. LIDA BACH sprach mit Regisseur Cornish und Darsteller Nick Frost über Aufstände, Außerirdische und Ängste.

 

Der Film ruft die Nachrichtenbilder aus London wach.

 

Cornisch: Attack the Block handelt nicht von Aufständen. Es ist eine ziemlich moralische Geschichte. Viele britische Filme versuchten zu vermitteln, dass das ein Thema ist. Was in London geschah, hatte mit verschiedenen Faktoren zu tun. Attack the Block handelt nur von einem Teil über Jugendliche, die sich ausgegrenzt fühlen von der Polizei, der Gesellschaft und der Gemeinschaft.


Siehts Du Dich in einer schwierigen Position aufgrund der Londoner Riots?

 

Cornish: Ich denke in Europa überwiegt aufgrund der Riots diese oberflächliche Verbindung, aber generell soll es einfach nur guter alter Kinospaß sein und so reagieren die meisten Leute darauf. Es gibt einen Überfall und der restliche Film untersucht die Ursachen und zwar durch das analytische Mittel einer Alien-Invasion.

Frost: Es ist ein Reflex. Die Leute sehen nur, dass der Film in einem Hochhausbock spielt. Reflex: Reden wir über die Riots.

 

Du verwendest ein soziales Klischee: Hoodies, der in vielen Horrorfilmen vor den Riots vorkam, etwa F, Heartless und Eden Lake.

 

Cornish: Es ging darum, mit dem Stereotyp zu beginnen und dann die Masken abzunehmen, die Kapuzen abzusetzen und sie als menschliche Wesen zu zeigen. Mein Film war eine Reaktion auf diese Filme, denen es meiner Meinung nach an Mitgefühl mangelt und die Kinder in Monster verwandeln, was für mich befremdlich ist. Das kann Film, worin die Politik nicht sonderlich gut ist: eine menschliche Herangehensweise. Gutes Erzählen funktioniert nur, wenn man etwas fühlt.

 

Wie viel muss bei Science-Fiction und Horror Fabel sein und wieviel Botschaft?

 

Cornish: Die meiste Science-Fiction handelt mehr von jetzt als der Zukunft. Sie verraten mehr über die Ansichten der Leute in der Gegenwart. Nur ein Film über ein Alien wäre nicht besonders interessant, oder?


Ist es in den letzten Jahren leichter geworden, einen Genre-Film zu machen?

 

Frost: Die Leute versuchen den nächsten Shaun of the Dead zu machen, was Joe quasi getan hat. Aus britischer Sicht ist es etwas einfacher, aber international wollen die Leute nicht unbedingt Genre-Filme machen, weil sie keine halbe Millionen im Kino einspielen.


Wie schwierig ist es eine neue Alien-Art zu erfinden?

 

Cornish: Bei Attack the Block wusste ich, dass ich mir kein dreidimensionales digitales Alien leisten konnte. Das war eine interessante Einschränkung. Ich liebe all die Old-School-Sachen: Puppentrick, Modellkits und Animatronics. Ich hatte einen starken Einfall und es hat funktioniert.


Was hat Dich bei dem Design inspiriert?

 

Cornish: Ich hatte immer eine schwarze Katze und mochte, wie sie einer Silhouette ähnelte. Das brachte mich auf die Idee, es pechschwarz zu machen. Es ist das schwärzeste Schwarz überhaupt.  

 

Kann man einen Genre-Film mit niedrigem Budget machen und trotzdem auf eine bestimmte Menge Zuschauer zählen?

 

Cornish: Es hieß, ein Horrorfilm für unter 5 Millionen mache immer Profit macht, weil es eine feste Zuschauerschaft gibt, die sich alles anschaut. Ich bin nicht sicher, ob das für den DVD-Markt zutrifft.

 

Ist es heute schwerer, furchterregende Filme zu drehen?

 

Frost: Heute ist es unmöglich, jemandem Angst einzujagen. Geh ins Internet und sieh zu, wie sich jemand umbringt. Das ist beängstigender als Geister. Jugendliche haben davor keine Angst mehr, denn die Gesellschaft, in der sie leben, ist weitaus erschreckender.


Wovor hast Du Angst?

 

Frost: Krebs macht mir Angst, Sterben macht mir Angst – kein Film.


Was dachtest Du, als Du das Make-up und Outfit für Deine Rolle sahst?

 

Frost: Perfekt! Ich hab einfach entschieden, eigene Klamotten zu tragen und brauchte überhaupt kein Make-up.

 

Und die Haare?

 

Frost: Ich hatte vier Jahre lang keinen Auftrag, der mich zwang, es zu schneiden. Jetzt werde ich einen Film machen, wo ich kahl rasiert sein muss. Also ist das hier (deutet auf seinen Kurzhaarschnitt) der erste Schritt zurück.


Sich wieder daran zu gewöhnen...

 

Frost: Meine Frau wieder daran zu gewöhnen.

 

Was sagte sie dazu?

 

Frost: Sie mochte es – eine Weile. Und dann wurde ich lächerlich langhaarig – wie ein serbischer Gangleader.

 

Was war Deine Reaktion auf das Drehbuch?

 

Frost: Es war ein großartiges Skript und eine Herausforderung, mit elf jungen Darstellen zu spielen, von denen einige nie zuvor geschauspielert hatten.


Hast Du eine Traumrolle?

 

Frost: Ich schreibe viel; im Moment sozusagen Traumrollen für mich selbst. Aber ich möchte mehr Ernsthaftes machen. Jeder seriöse Schauspieler möchte einen Verrückten spielen oder Das Schweigen der Lämmer. Niemand konnte danach Anthony Hopkins ansehen, ohne Hannibal Lecter zu sehen. Daher muss man vorsichtig sein, welches Ausmaß an Wahnsinn man darstellt.

 

Du warst in Filmen mit Zombies, mit Aliens... was für einen Gegner fehlt noch?

 

Frost: Frankenstein.

Cornish: Ich hätte gern das Loch-Ness-Monster. Aber es müsste eine Schottenmütze tragen!

 

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