Auf dem englischen Traditionslabel Planet Mu passt sich Chris Ward mit seinem Projekt nur schwerlich neben Breakcore-Mastermind Venetian Snares (alias Aaron Funk) oder IDM-Legende μ-ziq (kein geringere als Labelgründer Mike Paradinas) ein. Die Mischung aus surfigen Gitarrenmelodien, Lo-Fi-Synthie-Flächen und halb digital, halb analog zusammengebastelten Midtempo-Beats ist besser auf einer Strandparty aufgehoben als in einem schummrigen Ravetempel. Trendhopping kann man jedoch weder Label noch Ward vorwerfen: Parodia Flare weiß zu begeistern mit seiner endlos chilligen Grundhaltung, den komplexen Arrangements und einem cleveren Songwriting, das nur stellenweise noch etwas uninspiriert oder gar skizzenhaft klingt.
Der nölige Gesang des jungen Engländers hätte da nicht einmal Not getan, vielmehr noch stört er stellenweise. Denn auch vor der eigenen Stimme macht die Effektspielerei keinen Halt, gedoppelt und mit einer unangenehm großen Portion Hall kommt Wards Gesang daher. In den besten Momenten ist das kaum von einer weiteren Keyboardharmonie zu unterscheiden, in den schlechtesten reibt es die Nerven gehörig auf.
Man verzeiht es diesem Album aber, das im Gegenzug mit viel Hits aufwartet – allem voran der Titeltrack und dem sich langsam aber stetig in Gang setzenden Figures – und ebenso trend- wie traditionsbewusst daherkommt, ohne an Charakter einzubüßen. Als Blaupausenextrakt aus den Chillwave-Vorreitern wird man Tropics sicherlich nicht wahrnehmen. Viel eher kann man viel musikalische Bildung in dem Dutzend Songs ausmachen, von Post-Rock der alten Schule über Funk zu Surf Punk. Mit einem solchen Background lädt man sich unweigerlich eine große Bürde auf, aber Parodia Flare weist definitiv in die richtige Richtung, Chris Ward lässt sein Potenzial nicht verkommen. Und vielleicht kann man ihm genau deswegen ein klein wenig mehr Nachhaltigkeit konstatierten als der Vielzahl derer, die sich ganz lässig von der Chillwave auf die höheren Positionen der Indie-Charts haben spülen lassen.
