von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 09:17

Toms Schnellgericht II

27.10.2011

Bunte Tüte

Kids auf den Spuren des Blues, die »Carpenters of Electro« und mehr haut TOM ASAM in die Pfanne.

 

Wer kennt Billie Ray Martin? Die laut Produktinfo gerne »Queen of electronic soul« titulierte gebürtige Hamburgerin hatte 1994/95 mit Your lovin arms einen massiven Hit – auch wenn »worldwide number 1« wohl etwas übertrieben ist – aber immerhin: selbst in den UK auf Platz 6 und in den USA auf Platz 46 der Single Charts, das muss man erst mal schaffen. Billie hat es wohl auch nicht wiederholen können. Zusammen mit den Norweger Robert Solheim (Current, Aquavit) ist sie nun The Opiates. Das elektronische Duo nennt Kraftwerk und Yazoo als Einflüsse, die Presse titulierte sie als »Carpenters of Electro“« (was nun ja nicht wirklich verlockend klingt). Billies soulige Stimme steht im Kontrast zu kühlen Synthieklängen. Mehr als einmal erinnert mich das eher an die Eurythmics. Die zwingenden Hits aus deren Anfangstagen fehlen dem Debüt von The Opiates, Hollywood under the knife, allerdings.

 

The Hermit & Hedonist heißt das zweite Album des Engländers Jim Kroft. Der lebt mittlerweile – wie sollte es anders sein – in Berlin, träumt aber von den großen Tagen des Britpop. Mit toller Stimme, den üblichen 60s-Verweisen und auf ein breites Publikum zielend, versucht Jim zu (ehemals) sehr erfolgreichen Bands wie The Verve, Oasis oder Travis aufzuschließen. In dem Bereich scheint aber die Luft ziemlich draußen. Durchaus ein gutes Popalbum, wenn auch etwas zu berechnend und gefällig. Da steckt Potenzial für mehr drin.

 

Kill it Kid versuchen die Härte ihres Bandnamens in ihre Gitarrenriffs zu übertragen. Diverse Trendscouts hatten das Quartet beim richtungsweisenden SXSW-Festival auf dem Radar. Kill it Kid versuchen – wie die White Stripes oder Black Keys den Blues(rock) ins Indiefölkchen – und nach Möglichkeit darüber hinaus – zu streuen. Chris Turpin und Stephanie Ward wechseln sich am Mikrofon ab, wobei Stephanies Stimme angenehmer ist. Im Gegensatz zu den White Stripes belassen es Kill it Kid nicht immer beim rootsmäßigen reduzierten Retrosound. Hin und wieder geht das theatralische, aufgestriegelte Zeppelin-Pferdchen mit ihnen durch, was gerade in Kombination mit Chris Gesang doch etwas over the top sein kann.

 

Deutlich größeren Eindruck hinterlässt die 1982 in Neuchatel geborene Olivia Pedroli mit ihrem Album The Den. Unter dem Künstlernamen Lole veröffentlichte Pedroli bereits zwei Alben, die sie ins Vorprogramm von Künstlern wie Paul Simon, Nouvelle Vague oder Marianne Faithful brachten. Wie die Songs der studierten Violinistin, die auch an Gitarre und Violine und mit ihrer Stimme überzeugt, in Hallen dieser Größenordnung ankommen, kann ich mir nicht so leicht vorstellen. Fast zu intim und individuell erscheint die experimentelle Musik der Schweizerin, die Elemente der Klassik und des Folk auf völlig eigenständige Art und Weise in ihre Stücke integriert. Dass der renommierte isländische Produzent Valgeir Sigurdsson The Den mitgestaltete, sagt schon einiges aus. Der hat ein Händchen für Künstler mit eigener Persönlichkeit und eindrucksvoller Musik: Er produzierte in der Vergangenheit etwa Björk, Bonnie Prince Billie oder Coco Rosie. Olivia Pedroli braucht sich auch hinter solchen Namen nicht zu verstecken. Die Stücke, in denen die Instrumente teils auf ungewohnte Weise um die Stimme herumgeistern, kann man schwer beschreiben – mit der üblichen neuen Folk-Sensation der Woche hat das auf jeden Fall nichts gemein.

 

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