I Lie A Lot? Boshaft ausgedrückt: I rip off a lot. Um fair zu bleiben: Der Tasmanier (kein Witz!) Dan Freeman kann nun wenig dafür, dass er Thom Yorke sehr ähnlich klingt – oder doch? Irgendwie versucht er sich zusammen mit seiner Band The Serious jedenfalls an Radioheads Erfolgsrezept: Ein wenig musikalisches Können, ein bisschen durchdachter Pop und jede Menge dramatische Melodien.
Überbetonen sollte man derlei Ähnlichkeiten allerdings nicht. Freeman und seine drei Mitstreiter Peter Meyer (Gitarre), Bernhard Meyer (Bass) und Hanno Stick (bei dem Namen natürlich: Schlagzeug) bleibt er etwas bodenständiger – was bei Radiohead das Abdriften in Richtung elektronischer Sounds, das ist für Freeman eher der Jazz und Blues – seine Band lernte er schließlich beim Saxofonstudium in Berlin kennen. Dass man es de facto mit exzellenten Musikern zu tun hat, ist sofort klar. Jedes Gitarrenriff sitzt, die Drums rollen angenehm dahin, der Bass legt ergänzt und bündelt die Songs und Freeman greift in den Klaviertasten definitiv nicht daneben.
Aber das klingt zu glatt, zu konstruiert. Das ständige Leiden in Freemans Stimme, die langgezogenen, rauf- und runtermodulierten Melodien, das alles belebt den klassischen Singer/Songwriter-Pop nicht genug. Es mangelt schlicht an Charakter. So experimentell, wie er beworben wird, gibt sich Freeman in seinen Kompositionen bestimmt nicht. Der Pressetext scheint sowohl den Radiohead-, als auch den Jeff Buckley-Vergleichen vorbeugen zu wollen, in dem beide herangezogen werden. Die Behauptung, dass es sich bei dem Tasmanier Freeman um keine Kopie handelt, kann man gerne so stehen lassen. Die Standards, die diese Künstler geprägt haben, bedient die Band dann aber doch zu genüge. I Lie A Lot ist kein »I rip off a lot«, aber es ist eher ein »I bore a lot« – schade, bei der Expertise und dem Talent wäre mehr drin gewesen als ein paar ebenso durchdachte wie voraussehbare Popnummern.