Snow Patrol sind so etwas wie die Iron Maiden des Radio-Rocks. Bodenständige Jungs mit einer treuen Fangemeinde, die eine unvorstellbare Mengen an Tonträgern verhökern – bei Kritikern aber eher Schulterzucken bis müdes Lächeln hervorrufen. Sie sind Coldplay ohne die Aufmerksamkeit von Brian Eno und Co. – und ohne Filmstar-Glamour und Firlefanz. Und somit natürlich ein weiterer U2-Fanblock auf ewiger Weltreise. Wenig originell wirkt es da, für die Produktion des sechsten Albums, zwecks Inspiration, wohin zu fahren? Klar, wir reden vom Joshua Tree-National Park. Zum Weiterlästern empfiehlt sich ein Blick aufs Cover (gemalter Greifvogel) oder die Songtitel (The weight of love, New York oder – hey! – Berlin). Hört man dann nur eine tränenziehende Radioballade, wie The garden rules, ist man schnell von der völligen Belanglosigkeit der schottischen Schneepatrouille überzeugt. Aber hört man sich das ganze Album an, muss man der Truppe um Gary Lightbody zugestehen, dass sie sich Mühe gegeben hat und stellenweise durchaus zu überzeugen weiß.
Neben U2 hat es der Band nach eigenen Aussagen vor allem jene Band angetan, die dem Indiestatus so rasend und glaubwürdig wie nur möglich entstiegen ist, um zu einem der Rolemodels des Pop des neuen Jahrtausends zu werden: Arcade Fire. So ist Fallen empires insgesamt auch etwas verspielter und weniger poliert ausgefallen, als zu befürchten. Neben der einen oder anderen verzerrten Gitarre kann man auch ein gewisses Schielen auf die Tanzfläche (I´ll never let go) und den »Mut« zum Experiment (Percussion-Attacke im Titelsong) ausmachen. Die Fähigkeit zu zwingenden Hooklines möchte ihnen sowieso niemand absprechen. Trotzdem bleiben ein zu hoher Kuschelballaden-Faktor und hausbackene Durchschnittlichkeit das Problem der Truppe – oder besser, des Hörers. Aber, wahrscheinlich ist es ist wie bei Iron Maiden: Die einen hören sie unheimlich gerne, die anderen heimlich. Wie soll man sonst auch auf elf Millionen verkaufte Scheiben kommen?