Weit mehr als die gewisse Langsamkeit und melancholische Getragenheit charakterisiert das Werk der Neuseeländerin. Nicht umsonst wurde das Album von Nils Frahm gemixt und gemastert, nicht umsonst zählt sie Künstler wie Peter Broderick zu ihren Fans: Merz hat sich einem klanglichen Minimalismus verschrieben, der zugegebenermaßen en vogue sein mag, in Kombination mit ihrem Gesang jedoch eine einzigartige Mischung darstellt. Die Pressetext-Referenz auf Zola Jesus mag gewaltig hinken; was Merz und die junge Nika Roza Danilova trotzdem gemein haben dürften die die rosigen Zukunftsaussichten sein, die ihren diesjährigen Alben eingeschrieben sind. Beide haben dieses Jahr bewiesen, dass von einer Krise keine Rede sein kann. Es geht voran, es tauchen wieder neue Klänge auf, die nicht in Musikhochschulseminaren zusammengemixt wurden. Die Tradition lässt man dabei nicht aus den Augen, warum auch – es lässt sich doch prima damit arbeiten. Wie Zola Jesus bezieht sich Birds Of Passage noch auf Pop-Musik, gibt den Standards aber neue Impulse. Keine von beiden Künstlerinnen erfindet dabei etwas grundsätzlich neu – aber sie wissen zusammenzubringen, was eines Tages unweigerlich aufeinandertreffen musste.
Die fragil gehauchten Lyrics könnten, würden sie schneller gesungen werden, für absolute Ohrwürmer sorgen. Alles, was es bräuchte, wäre ein kräftiger Klavierlauf und ein Song wie Highwaymen In Midnight Masks könnte zum Hit werden, ebenso The Monster Inside You. Die Melodien sind groß und eingängig gleichermaßen und Merz bringt sie mit einer Zartheit rüber, die wirklich berührend ist. Die im Mix weit nach hinten verbannte Instrumentierung wirkt fast wie ein Rudiment, ein halberinnertes Zitat von harmonischer Begleitung. Deutlich wird das vor allem auf Highwaymen In Midnight Masks, dem absoluten Highlight der Platte, der auch separat auf Vinyl erscheinen wird, angereichert mit Bonustracks, bei denen das Noise/Drone-Duo Nadja seine Hände im Spiel hatte. Waltz While We Sleep überrascht fast, kann man das Piano doch sehr deutlich ausmachen neben den verschiedenen Gesangsparts, die sich selbst umspielen, bevor der Song sich in verspulten Drones verliert und seine eigene Poppigkeit verlaufen lässt ohne sich ihrer geschämt zu haben.