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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:37

Les Fragments De La Nuit: Musique de Nuit

19.01.2012

Melancholischer SciFi-Flick

Angefangen haben Ombeline Chardes und Michel Villar mit Filmscores. Auf dem dritten Album ihres auf fünf Mitglieder angewachsenen Projekts Les Fragments De La Nuit haben sie ihre musikalische Herkunft nicht ganz hinter sich gelassen und wagen sich streckenweise doch über emotionale Manipulation hinaus in neue Bereiche vor. Von KRISTOFFER CORNILS

 

Geblieben ist ein Hang zur Kürze: Die meisten der 15 Kompositionen pendeln sich an der Zwei-Minuten-Grenze ein, und könnten gut und gerne von gewitzten Produzentenhänden passgerecht zusammengestaucht werden, um für 20, 30 Sekunden dramatische oder bittersüße Wendungen, Cliffhanger oder Suspensen zu untermalen. Vielleicht in einem melancholischen SciFi-Flick, wie das etwas bizarre Cover von Musique De Nuit nahelegt. Ein Komet aus zusammengeknautschten Streich- und Tasteninstrumenten zieht seinen Schweif um den Orbit eines Mondes – ein passendes Bild. Die notwendige visuelle und emotionale Schlagkraft kann man den Stücken auf jeden Fall bereitwillig attestieren. Des Ombres zum Beispiel baut effektiv eine nervöse Spannung auf, die sich in einem Dubitatio nur mangelhaft entlädt – ein Trigger, der dazu einlädt, weiterzuhören, auf Auflösung zu hoffen für alles, was sich an Assoziationen eröffnet hat.

 

Das entspringt tatsächlich der Trickkiste der Filmmusik und hat ebenso seine Nachteile. Die kurzen Szenerien, Atmosphären und Gefühle, die angerissen werden, lassen sich zu keinem Gesamtnarrativ zusammensetzen. Nicht, weil der Film fehlen würde, es mangelt dem Album vielmehr an einem roten Faden. Das mag daran liegen, dass einige der Kompositionen noch aus der Anfangszeit von Les Fragments De La Nuit stammen, andere hingegen brandneu sind. So oder so wirken die eher klassischen Stücke ihrer ausgeklügelten Natur zum Trotz etwas verloren im Gesamtkontext eines Albums, in das sie sich nicht völlig integrieren können.

 

Die wirkliche Stärke des Quintetts liegt letztlich nicht in der reinen emotionalen Manipulation, sie liegt in künstlerischer Innovation. La Dame Blanche verstört mit gegeneinander versetzten, verfremdeten Chorstimmen, die sich zu einem Flickenteppich aus Schmerzens- oder Lustlauten zusammenwebt. Auf Petite Rose zieht sich die Grundstimmung zuerst in einer dissonanten Pianomelodie fort, die von ebenso haarsträubenden Pizzicato der Streichersektion begleitet werden, bevor sie sich dann in einer Harmonie auflösen, die eigentlich auch keine ist – auf wenig Raum bietet das Stück eine Vielzahl von Trugschlüssen und Verwirrungsmomenten.

 

So beeindruckt Musique De Nuit schließlich dort am meisten, wo es mit den Erwartungen der Hörerschaft bricht. Erwartungen, denen an anderer Stelle jedoch etwas zu sehr entgegengekommen wird.

 



 

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