Matt Elliott ist ein versierter Gitarrist und das beweist er in den ersten Minuten qua Flamenco-Etüde. Damit kann man allein noch keinen Blumentopf gewinnen und Elliott scheint sich dessen bewusst – bevor man sich’s versieht, ist er schon in ein klassisches cohenesques Crooning verfallen und besticht nicht mehr nur durch sauberes Fingerpicking, sondern ebenso durch intelligentes Songwriting. Der Opener Oh How We Fell ist ganze zwölf Minuten lang und vergeht trotzdem wie im Flug. Elliott schafft ein monumentales Format für seine schniefig-schönen Singer/Songwriter-Stücke, kunstvoll arrangiert und keine Sekunde langweilig. Ein angemessener Hintergrund für das große Thema, dessen sich Elliott widmet: der Liebe.
Oder eher: Der unerwiderten Liebe. Das scheint das Hauptthema des Broken Man zu sein, nicht von ungefähr heißt ein Titel: If Anyone Tells Me "It's better To Have Loved And Lost Than To Never Have Loved At All" I Will Stab Them In The Face. Übertrieben? Ein wenig droht der Liebeskummer doch in Weltschmerz, Pessimismus – man bedenke den letzten Titel, The Pain That’s Yet To Come – und eine ungesunde Portion Pathos zu münden. Natürlich kann man sich das nicht immer geben, und die zu Teilen brüchige Stimme des in Bristol gebürtigen Multiinstrumentalisten hängt hinter dem kongenialen Songwriting leicht hinterher. Der halbgare Mix von Yann Tiersen macht das nicht besser.
Aber es hat etwas Beruhigendes, dass da mal jemand ganz ungekünstelt todtraurig ist. Sich das Herz ausschüttet über feinsinnigen Kompositionen? Wo so viel durchkalkulierte Balladen den Markt beherrschen, da bietet Matt Elliott eine Alternative, eine ernst gemeinte, aufrichtige. Ganz richtig sagt das französische Label Ici, D’ailleurs… Musik habe keine Preis, aber einen Wert. Elliotts Musik hat den bestimmt. Und wer nicht auf die CD- oder Vinylversion des Albums warten kann, der kann sich immerhin für einen geringen Preis von 2€ alle Stücke bereits jetzt beim Label (http://www.icidailleurs.com/) herunterladen. Das wäre gut angelegt.