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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:41

Toms Schnellgericht

26.01.2012

In search of the new blue

Ein Update beachtenswerter Veröffentlichungen im Bereich: Singer-/Songwriter – Female. Starke Frauen mit gefühlvollen Songs jenseits der simplen Pop-Formel. Von TOM ASAM

 

Die seit Anfang der 90er Jahre tätige, aus Karlsruhe stammende Christina Lux arbeite in frühen Jahren unter anderem mit Fury and the Slaughterhouse. Sie ist Teil der A-Capella-Formation Vocaleros und stand mit ihrem eigenen Trio auch schon auf der Bühne des Montreux Jazz Festivals. Seit einiger Zeit konzentriert sie sich mehr auf ihre Soloarbeit. Wenn hier von Promotionseite der Vergleich mit Joni Mitchell angestrebt wird, scheint das natürlich zunächst hoch aufgehängt. Aber erstens ist Mitchell natürlich seit Jahrzehnten für zahllose Singer-/Songwriterinnen Messlatte und Inspiration zugleich, zweitens kann man in diesem Falle tatsächlich Parallelen sehen. Da wäre zum einen die Altstimme von Lux, zum anderen ihre autodidaktischer Umgang mit der Gitarre und der Drang nach künstlerischer Selbstverwirklichung. Für Playground hat sie sich mit dem aus Dresden stammenden Songwriter, Gitarristen und Percussionisten Reentko in die sächsische Altmark verkrochen, um ungestört und intensiv an Songs zu feilen. Der Profi, der unter anderem für die Dresdner Semperoper oder den Cirque du Soleil arbeitet, scheint hier der ideale Partner zu sein: Die Instrumentierung ist auf das Nötige reduziert, gleichzeitig aber intensiv und atmosphärisch gelungen. Lux´ Stimme hat Raum, sich zu entfalten und die zwischen Melancholie und Glück changierenden Stimmungen umzusetzen. Die Songs tragen Spuren von Jazz und folkloristischen Ursprüngen, wechseln von luftig-grazil zu erdig-funkig, soulig. Zwei der 14 Stücke sind in Deutsch gehalten, der Rest wird auf Englisch gesungen – funktioniert beides! Auf Lux´ Spielplatz sollte man sich unbedingt begeben – und jede Menge Spaß haben. (Ein Tipp für alle, die Joni Mitchells Werk angehen wollen: Nicht auf das meistens zitierte Blue beschränken; Empfehlung: The hissing of summer lawns).

 

Wenn man zu Joni Mitchell noch Kate Bush und Tori Amos nennt, hat man dann wirklich schon eine Basis an Role-Models, an denen als Songwriterin kaum vorbeizukommen ist. Die Cello-Studentin und Debussy-Verehrerin Kate Walsh bewegt sich mit ihrem reinem Gesangsstil und den intimen Songs mit zarter Instrumentierung (Cello, Gitarre, Piano) auf abgestecktem Terrain, findet aber durchaus ihren eigenen Ausdruck. Der Titel des Albums deutet an, wie sie an dieses Album herangegangen ist: alles live im Studio eingespielt, kein Hintergrundgesang, keine Overdubs – the real thing! Walsh, die die Mainstream-Musikindustrie als »launisch, egoistisch, unpersönlich und hinterhältig« bezeichnet, sucht den direkten Weg von ihrem Herzen in die der Hörer. Dabei geht sie auch ungewöhnliche Wege. Seit letztem März veröffentlichte sie monatlich (stets am 21.) einen Song ihres Albums auf ihrer Homepage. Am Stück gehört ist das natürlich noch schöner.

 

Maya Solovey, New Yorkerin mit litauischen Wurzeln geht die Sache etwas beatorientierter und mit mehr Popschmelz an. Begleitet von erstklassigen Musikern veredelt sie ihr hervorragendes Songwriting jedoch mit reichhaltigen Zutaten, was Album stets davor bewahrt, zu austauschbarem Radiofutter abzudriften. Mal sind es Bossa-Nova- Anklänge, mal Akzente durch Erik Friedlander am Cello oder pointierte Zwischentöne des Klezmer-Musikers Paul Shapio (Klarinette, Flöte, Saxophon), die das Ohr wach halten. Das Solovey, deren Name im Russischen »Nachtigall« bedeutet, mal in Englisch, mal in Spanisch oder Portugiesisch textet, sorgt für zusätzliche Abwechslung. Das vom Grammy-gekürten Produzenten Bob Brockmann perfekt veredelte Debütalbum von Maya Solovey könnte der Auftakt zu etwas Größerem sein!

 

Der Mitchell-Faktor bei Penelope Houston ist wohl am ehesten der Drang nach Freiheit und künstlerischer Selbstverwirklichung. Houston hat von vom Leben mit der Punkband The Avengers bis zur missglückten Ehe schon so manches hinter sich. Mit einer Mischung aus Schmerz aufgrund so manch schwieriger Erfahrung und dem Drang, diesen ebenso Ausdruck zu verleihen, wie nach vorne gerichteten Plänen, machte sie sich an On Market Street. Diese Straße im Zentrum von San Francisco ist der Ort, wo Houston in ihrer Arbeit bei der ansässigen Stadtbücherei so manche prägende Erfahrung was den Umgang der Menschen untereinander anbelangt. Die gleichnamige Ballade ist eine Anklage an die herrschende soziale Ungerechtigkeit. Das Album kommt recht klassisch zwischen Folkrock und Americana daher. Die Kompositionen sind nicht allzu komplex, lassen aber somit Raum, die liebevollen Details im Soundbild genau aufzusaugen. Mal zieht Danny Eisenbergs ( u.a.: Jonathan Richman, Ryan Adams) Hammondorgelspiel die Aufmerksamkeit des Hörers auf sich, mal die von Steven Strauss inszenierten Streicherarrangements. Ein grundsolides, traditionsbewusstes Scheibchen voller Lebenserfahrung aus dem Glitterhouse.

 

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