Schon nach den ersten Takten wird klar, in welche Richtung die Band aus dem US-Bundesstaat Wisconsin geht. Die sphärischen Wohlfühlakkorde und die effektgeladenen Melodien sprechen die musikalische Sprache, die von Post-Rock-Bands wie Explosions In The Sky geprägt wurde. Zunehmend schichten sich die Instrumente, erzeugen eine strudelnde Polyphonie – und gerinnen zu Matsch. Die Produktion tut Farewell Shadows nicht sonderlich gut, das dürfte nach den ersten drei Minuten von Take Heart klar sein. Der undefinierte Sound wird mit allen Shoegaze-Referenzen – die sich zwar im Pressetext, nicht jedoch in der Musik von Canyons Of Static finden lassen – nicht beiseite gewischt: Er klingt zu dumpf, um den hellen Gitarrengeplinker Genüge zu tun, zu lasch, um der Rhythmussektion die dringend notwendige Power zu verpassen.
Jedoch: So ganz unschuldig sind das Ehepaar Ross und Aggie Severson und ihre beiden Mitstreiter Chris Biertzer und Nathan Gaffney nicht an der Misere. Sicherlich wird das Quartett seine Songs mit viel Herzblut, versonnenem Lächeln und obligater Träne im Knopfloch eingespielt haben – aber das ändert nichts daran, dass Farewell Shadows das Fallbeispiel eines Albums ist, auf dem mangelnde Innovation durch gesteigerte Intensität kompensiert werden soll. Intensität heißt hier jedoch nur: Ordentlich Klänge aufeinanderschichten, der Effekt wird sich schon einstellen. Da taucht der eine oder andere gute Gitarrenlauf aus dem sonischen Nebel auf, da gibt es mal einen schicken Ausfall der Drums, Veil überrascht sogar mit einem Orgel-Intro. Aber die Songstrukturen sind herkömmlich, die Akkordfolgen, Melodien riechen fast nach Second Hand.
Mehr Einfallsreichtum wäre einfach mehr gewesen auf Farewell Shadows – und weniger überbordendes Genudel ebenfalls. So jedoch reicht es kaum für einen Platz im Mittelfeld des Post-Rock-Genres, das überschwemmt ist von Bands, die wie Canyons Of Static ihr Heil in der Imposanz suchen – und denen das oft sogar noch überzeugender gelungen ist.