Das bei Peter Gabriels Real World Label angesiedelte Portico Quartet konnte sich mit zwei Alben und diversen Live-Auftritten bereits eine solide Fangemeinde aufbauen. In unnachahmlicher Art und Weise verbinden sie Einflüsse von Jazz, Klassik, Weltmusik und Minimal Music zu avantgardistischer Popmusik im weitesten Sinne. Neben Saxofon, Kontrabass und Schlagzeug spielte dabei auch das Hang eine gehörige Rolle. Dieses um die Jahrtausendwende von einigen Schweizer (Sound-)Tüftlern entwickelte Instrument verbindet die Klangeigenschaften einer Steeldrum mit denen anderer Percussion-Instrumente. Es sieht aus wie eine Mischung aus Wok und UFO und wird mit der bloßen Hand gespielt.
Auf ihrem neuen, selbstbetitelten Album bringen die Briten vermehrt Einflüsse von Ambient und Elektronika mit in ihr Klanguniversum ein. Hangspieler Nick Mulvey verließ die Band – das Hang allerdings blieb. Zudem sorgt Keyboarder Keir Vibe für eine etwas andere Ausrichtung. Die Musiker arbeiten nun vermehrt mit Loops und Samples und bringen mehr Kanten und düstere Facetten ins Spiel. Während das Vorgängeralbum Isla eher ein nach innen gewandtes Stück Musik voller Anmut darstellte, ist das neue Album explosiver und noch abwechslungsreicher. Von ruhigeren Pianopassagen (Export to hot climate) über hypnotisch-düstere Kraft mit Dancefloor-kompatibler Bassdrum und gesampleter Hang (Lacker Boo) bis zum temporeichen Ruins mit seinen begeisternden Saxophon-Linien gibt es hier unglaublich viel zu entdecken. Auch im Vergleich zu anderen spannenden Experimenten zwischen Jazz und Elektronik scheint das Portico Quartet ziemlich einzigartig und konkurrenzlos.