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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:44

Toms Schnellgericht

09.02.2012

Unter einem D/A/CH

Schreng Schreng und Krikel Krakel. Zwischen Berlin, St.Gallen und Wien rührt sich was. Musiker mit Esprit, Humor und Durst begleiten uns von der ersten Liebe bis zum letzten Bier. Gesungen wird mal Deutsch, mal Englisch – oder gar nicht. Von TOM ASAM

 

Ja, so was gibt es tatsächlich. Von der Fußgängerzone zum Plattendeal und die Herzen vieler CD-Käufer. Was Felix Meyer und seine Band auf Erste Liebe / letzter Tanz bieten, hat auch einfach andere Bühnen als triste Einkaufsstraßen verdient. Singer-Songwriter-Schule inklusive aus der Masse herausragender Texte trifft auf Folkeinflüsse und wird auf professionelle Weise radiotauglich verpackt. Element of Crime wurde hier sicher viel gehört, vielleicht auch (die deutschen) Fink. Insgesamt vielleicht etwas zu glatt, aber sehr routiniert und durchaus empfehlenswert.

 

Auch Daniel Stelter gibt sich auf dem Cover seiner CD Krikel Krakel als Mann von der Straße. Ausgangspunkt ist hier instrumentaler Jazz, durchschimmernde Bluesroots sorgen für die nötige Erdung. Der Titelsong Krikel Krakel beschreibt die Intention, die Stelter und seine Band hier verfolgten: Aus flüchtigen Gedanken entstehen durch die Mithilfe mehrerer Köpfe und geschickter Hände stimmige Kompositionen. Klare Melodien, nachvollziehbare Strukturen und ein transparenter Sound sorgen dafür, dass dieses Krikel Krakel in Wahrheit eine deutliche Handschrift besitzt. Cool groovender Bass, warmes Fender Rhodes und songdienliche, zurückhaltende Gitarrensprengsel – ein geschickt reduziert gehaltenes Album, das nicht nur für eingefleischte Jazz-Fans interessant sein sollte. Zwei Gesangsnummern runden die Sache ab.

 

Schreng Schreng & La La begeisterten im erweiterten Freundeskreis mit Live-Auftritten in WG-Wohnzimmern, bei denen neben ihrem Kleinkunst-Schrammelpunk auch Kuchen, Rotwein und Konfetti zur Stimmung beitrugen. Sechs rostige Gitarrensaiten für ein Halleluja, Kindergarten-Glockenspiel und tolle Texte mit dem Drang zum Nonsens inklusive. Motto: »fail, learn, fail better!« Selbstironie is king, Fanny van Dannen – Hörer mit nachweisbarer Metal / Punkvorerfahrung (oder dem Willen zum Nachsitzen) dürfen im Fachhandel mal höflich nachfragen, ob sie mit Berlusconi heimgehen dürfen. Bunga bunga und Schreng Schreng. Als kleinen Vorgeschmack gibt’s den Text zum Text von The Trooper: »Unser Titel ist im Original ein Klassiker der ›New Wave of british Heavy Metal‹, zu denen Iron Maiden damals zählten. Wir haben lediglich den Songtitel entliehen. Es geht im Groben darum, dass erst geweint werden sollte, wenn es Grund dazu gibt. Das Wort Kofferbombe dient darüber hinaus sehr gut dazu, allzu bürgerliches Publikum zu ängstigen.« Das gefällt dem »Musikbusiness-Insassen« (freiwillig, lebenslänglich und unbezahlt – gehts noch blöder?).

 

A lot of talk soll das gleichnamige Album von One two three cheers and a tiger (ja, die heißen wirklich so) sicher nach sich ziehen, wenn es nach den vier Burschen aus Österreich geht. Ihr gitarrenfundierter Indierock ist auf alle Fälle bei FM 4 gerne gehört und scheint auch für Live-Shows wie geschnitzt. Gerade nach vorn, mit dem nötigen Mitgrölfaktor an der einen sowie der mäßigenden Melancholie an der anderen Stelle. Das Album ist ohne großen Aufwand live im Studio entstanden – mit Hilfe von Herwig Zamernik. Den kennt man von den wiederholt am Superstardom vorbeigeschrammten Naked Lunch, was durchaus einen Hinweis darauf gibt, was einen hier erwartet. Noch besser nach one, two three beers (vielleicht tiger?).

 

Don´t leave me in autumn betiteln die St.Galler Junes ihr drittes Werk. Dieser Winter zeigt uns die Weisheit des Titels, wer kann das Heizöl für die Bude noch alleine zahlen? Ihr schwebender Gitarrenpop wird auch mal mit Cello und Violine ausgeschmückt und verspielten Synthieparts aufgepeppt. Bittersweet und wunderschön ist das mitunter, stellenweise vermisst man hier aber doch eine deutlichere eigene Handschrift und mehr Herzblut. Zu austauschbar wirkt das Songwriting auf Dauer, zu bemüht auf Internationalität und Radiotauglichkeit getrimmt.

 

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