Nach der sonischen Flut folgt erst mal harmloserer Wellengang. Die elektronischen Elemente treten in den Hintergrund, weichen auf The Statue Is Unveiled With The Face Of Another der klassischen Post-Rock-Instrumentierung und brummen auf Concrete nur noch leise vor sich hin. Da steht nämlich der Gesang im Vordergrund. Es ist ein Chorstück, wie man es von solcher Schönheit das letzte Mal bei den schottischen Aereogramme gehört hat. Doch selbst die Erinnerung an die längst aufgelöste Post-Rock-Legende verblasst etwas, wenn die menschliche Komponente langsam die Kontrolle wieder abgibt: erst an die Streicher, dann an die sanften und doch monumentalen Drones, die den Background regieren. Das Ende bestreiten wieder die echogesättigten Stimmen, bevor Winchester Croydon Winchester abrupt mit Melodiekaskaden das Tempo deutlich anzieht, den einen oder anderen Rückgriff auf die Minimal Music à la Steve Reich erahnen lässt. Wiliam Walker Strengthens The Foundations schließt das Album als ein schlitzohriger Trugschluss, scheint zuerst den Bogen zum minimalistischen Anfang zu schlagen. Langsam aber stetig jedoch meißelt Barrett aus den Drone-Schichten einen Beat heraus, auf dem das Album verklingt – der Rest, das ist das Geräusch von Wellen, die an das Ufer plätschern.
Damit wäre die perfekte Metapher geschaffen für Haeligewielle, dessen Cover nicht zufällig vom Helm einer alten Taucherausrüstung geziert wird, dessen Urheber sein Projekt nicht zufällig nach Hochseevögeln benannt hat. Die Musik ahmt die Bewegungen des Wassers nach, schafft mit sorgsam collagierten Klängen und wenigen Effekten Bewegungen, die dem Element zu eigen sind. Ob sich die Wellenberge auftürmen – Canute – oder die Binnengewässer seichte dahin dümpeln – Concrete –, es ist eine fast haptische, zumindest jedoch synästhetische Erfahrung, Haeligewielle zu hören. Aufwühlend und atemberaubend zugleich – Apnoetauchen in einem fantastischen Album.