Auf die Schnelle würde ich sagen: Die Türen beackern ein blumiges Feld, auf dem auch schon mal goldene Zitronen geerntet werden. Hin und wieder kommen ein paar Racker auf Kettcars vorbei und trällern schmissige Refrains. Diese Szenerie würde man natürlich nach Hamburg verlegen. Bei den Türen handelt es sich allerdings um drei Musiker, die es vor zehn Jahren aus dem Proberaum in der münsterländischen Provinz Richtung Berlin verschlagen hat. Die Herren lassen sich auch nicht so leicht kategorisieren, wie das der Kritiker gerne hätte; dass sie ihr eigenes Ding durchziehen und den ganzen Weg zu gehen gewillt sind, zeigt schon der Titel des vierten Albums der Bandgeschichte. Der lautet nämlich korrekterweise:
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVXYZ
Das gut zehnminütige Rentner und Studenten eröffnet in jamartigem Stil, unterfüttert von einem straighten Dinger-Beat, den bunten Reigen. Mal rockts, mal schlagerts, stellenweise klingt das gar fast wie so mancher Song zu Zeiten der NDW von Bands, die nichts von der neuen Ästhetik der Postpunk-Ära verstanden hatten und eher trögen Rock mit Saxophon spielten. Die Türen wissen allerdings genau, was sie da machen, spielen mit Referenzen, sind superselbstreflexiv und stapeln eine Metaebene über die andere. Das fängt schon beim Cover an. Schlichtes Weiß, was natürlich an die Beatles erinnert. Doch dann finden sich im Cover jede Menge kleine Aufkleber, mit denen man das Zitatfeuer selbst weiter anschüren kann: Da hätten wir die Stones-Zunge, ein Kreuz, wie es auf Unterarme von Seeleuten und Bon Scott gehört, ein Pentagramm, eine Spielkarte (Ace of Spades, was sonst), eine Diskokugel, nen Skull – und alle Buchstaben des Alphabets. In Dieses Lied heißt es: »Dieses Lied ist gegen Deutschland dieses Lied ist gegen Nazis, dieses Lied ist gegen« … – und jetzt folgen u.a.: »Pop/Indierock/Männer/Frauen/Alkohol/ Hasch/ Sozialarbeiter/Richter/ Hunde/Einbahnstraßen…!« etc. Nächste Ebene: »Dieses Lied ist gegen sich selbst.« Doch damit nicht genug: »Dieses Lied ist nicht mal gegen sich selbst…“
A-Z liefert jede Menge Unterhaltung und Denkfutter, schöne Slogans inklusive: »Ich will keinen Mindestlohn/ich will Mindestliebe« (Leben oder Sterben). »Meine Wünsche sind real/und keine Supernova/ ich wünsch mir einen Wollpullover« (Aus der Mitte entspringt ein Hit). Pop ist tot kann gleich mit zwei schönen Refrains aufwarten: »Pop ist tot/ denn böse Menschen kaufen keine Lieder/ sie laden nur danieder« (im satten Skagroove) geht über in das hymnenhafte »Hey, hey, hey, Hip Hop wird niemals sterben, so wie Rock´n´Roll und der Geist von Ton, Steine, Scherben.« Da da da: die drei sind gaga. Ein großer Spaß, den man sich ab Anfang März auch live gönnen sollte!