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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:49

 

Black Kids und Bloc Party

11.09.2008

Kraah kraah ohne Tamtam

Wichtige musikalische Neuigkeiten dieser Woche. Von BENJAMIN BORGERDING

 

Black Kids: Partie Traumatic

Partie Traumatic von den Black Kids ist eine jener Platten, die man aus denselben Gründen entweder richtig gut oder ganz schlimm findet. Entweder man hasst diese samtigen Eighties-Synthies abgrundtief oder man schließt traumverloren die Augen und lässt sich von ihnen einwickeln. Entweder man findet dieses hyperaktive Gekeuche über die Nöten der Adoleszenz albern, oder betrachtet es als die Essenz von Pop.
Was die Musik der Black Kids auszeichnet, ist Aufregung, Unbedingtheit, ein ungestümes now or never. Liebe mich jetzt! JETZT SOFORT! ist nicht nur unmissverständliche Botschaft eines Songs („Love Me Already“), sondern durchzieht als Grundstimmung das ganze Album. Nur pubertäre Schwere und Verzweiflung kann so unbeschwert klingen. Wer genauer auf die Texte achtet, mag darüber hinaus feststellen, dass Sänger Reggie Youngblood munter mit Genderrollen kokettiert. Neu ist das natürlich nicht, aber auch nicht die ganz große Seichtigkeit. In der globalisierten Welt der Popmusik sind einige Etiketten immer weniger sinnvoll. Die Black Kids aus Florida klingen verdammt britisch. Das Album haben sie in England aufgenommen. Die Verpflichtung von Bernard Butler, dem ehemaligen Suede-Gitarristen, als Produzenten deutet vielleicht schon zaghaft an, dass sie keine Angst davor haben, tief in die Zitatkiste zu greifen.
Nicht zuletzt erweist sich Youngbloods Stimme als große Assoziatonsschleuder. Da taucht plötzlich die gehauchte Noblesse eines Jarvis Cocker in der Strophe auf und im Refrain das aufgeschreckte Alarmschlagen eines Robert Smith („Hurricane Jane“). All das ist immer gekonnt unterlegt von lässigen Shufflegitarren und ultratanzbaren Discobeats. Selten klang Naivität so routiniert wie bei den Black Kids.

Black Kids: Partie Traumatic. Mercury (Vertrieb: Universal).
Reinhören bei Amazon




Bloc Party: Intimacy

Bloc Party haben am 21.08 ohne großes Tamtam ihr neues Album „Intimacy“ als o­nline-Release veröffentlicht. Kaum Marketing, wenige Interviews, gerade mal vier Tage Frist zwischen Ankündigung des Albums und der Veröffentlichung: diese Kaltschnäuzigkeit ist auf jeden Fall symphatisch. Radioheads „In Rainbows“-Strategie hat ihre Spuren im Business hinterlassen. Leider meint man, dem Album seine wüste Veröffentlichungspolitik ablauschen zu können. Nicht dass es soundtechnisch unausgegoren wäre: Die Produktion von U2-Produzent Jackknife Lee und Paul Epworth, der auch beim ersten Album mit von der Partie war, ist auf den Punkt. Viele viele Soundbasteleien haben Eingang gefunden. Das klingt oft matritzenhaft, etwa bei „Mercury“, der ersten Single. Mit Bläser- und Streichersamples wird wie mit Bausteinen jongliert, die Gesangsspur von Kele Okereke wird durch den elektronischen Reißwolf gejagt, zerschnippelt, versatzstückt, Computerbeats ersetzen das ansonsten virtuose Spiel von Drummer Matt Tong. „Intimacy“ setzt fort, was sich in Bloc Partys Zweitwerk „A Weekend In The City“ angedeutet hat: Weniger klassisches Songwriting, dafür mehr Ausschöpfung soundtechnischer Möglichkeiten im Studio. Bloc Party haben sich ein Stück weit von ihrem Selbstverständnis als Band gelöst, aber ein White Album ist nicht dabei herausgekommen. Anstelle des Verves alter Tage schimmern seltsam lustlose Songs hinter all den cleveren Studiomätzchen durch. Und wenn sie die Gitarren doch mal auspacken wie in „Halo“, „Trojan Horse“ oder „One Month Off“ klingen die Songs, die dabei herauskommen, nur wie B-Seiten der alten Hits „Banquet“ oder „Helicopter“.

Bloc Party: Intimacy. Digital Release. Der physische Tonträger erscheint am 24. Oktober.
Homepage von Bloc Party

 

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20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

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