Die vier Mann von Bad Boy Boogiez tragen ihr Haar dagegen eher gepflegt bis halblang, sie machen durchaus den Eindruck, sich einigermaßen benehmen zu können und arbeiten lieber im Theater oder beim Film. Dass ihr erster Auftritt folgerichtig im Schauspiel Bochum – unter dem Intendanten Leander Haußmann – und nicht in einem rauchigen Club in den echten, männlichen Outskirts der Republik stattfand, spricht Bände: die Kulturbohème als AC/DC-Coverband?
Doch Bad Boy Boogiez bestätigen durchaus eindrücklich, was jeder echte Rocker ohnehin schon lange weiß. Ein gutes Riff kennt weder Bildungsschichten noch Bildungslücken. Und AC/DCs „Bad Boy Boogie“ ist nun wirklich keine schlechte Hausmarke für eine ehemalige AC/DC-Coverband. Das Debütalbum mit größtenteils eigenen Stücken ist ein feines Stück guter, erdiger Rockmusik geworden, auch wenn man sich zum Teil sehr weit von den eigenen Wurzeln entfernt hat. Der Opener „Moon Shayn“ hebt zwar noch an mit einem jener treibend monotonen, zeitlosen AC/DC-Riffs, die man nur schwer jemals wieder vergisst, spätestens mit der leicht angeschrägten Indie-Nummer „Dancing Monkey“ und dem locker-melancholischen „Black Golden Plastictown“ ist jedoch klar, dass Bad Boy Boogiez nicht zur intellektualisierten Karikatur eines Klischees verkommen wollen. Und das ist zweifelsohne gut so. Die große Variabilität der Band lässt ex negativo Platz für echte Kracher – der unwiderstehliche Hit „Love Guide“ mit großem Text und noch größerem Riff rockt jede Party.
Dass sich dazwischen auch die ein oder andere durchwachsene Nummer eingeschlichen hat, sei den ehrlichen Kulturschaffenden verziehen. Dafür kommt das Album mit einem – das musste sein! – künstlerisch ansprechenden Cover und reichlich guter Laune daher. Die zusätzliche Werbung durch ihren Auftritt in Fatih Akins „Soul Kitchen“ nimmt die Band wohl gerne an, nötig hätte sie sie eigentlich nicht gehabt. Die Bad Boy Boogiez präsentieren ein sauberes Rock-Album für Menschen, die sowohl die Beatsteaks und Danko Jones als auch AC/DC lieben. Die echten harten Männer dürfen im Übrigen zwischen dem Genuss von Airbourne und Black Stone Cherry gerne auch mal ein Ohr riskieren. Es könnte sich lohnen.