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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:52

Various: Krautrock - Masters & Echoes

28.01.2010

Musikalische Vitamin C-Bombe

Auf zwei CDs stehen diversen Krautrockpionieren zwei Generationen von Musikern gegenüber, die mehr oder weniger von diesen „Masters“ beeinflusst sind. Vortrefflich geeignet zum Entdecken und Herstellen von musikalischen Bezügen über Zeit, Raum und Genregrenzen hinweg. Von TOM ASAM

 

Ob es sich, wie öfter zu lesen, bei dem Begriff Krautrock tatsächlich um eine Wortschöpfung der englischen Radiolegende John Peel handelt, ist eher unerheblich. Er etablierte sich auf alle Fälle Anfang der siebziger Jahre im In- und Ausland als Sammelbegriff für deutsche Bands mit unterschiedlichen musikalischen Einflüssen und Ausdrucksweisen. Zunächst wohl etwas abwertend bzw. ironisch konnotiert, entwickelte sich der Begriff vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten eindeutig zum absoluten Qualitätssiegel. Vom Freejazz über Rock, von avantgardistischen Trends der E-Musik zu Ethnosounds und darüber hinaus reichten die Inspirationen von Bands wie Guru Guru, Embryo und NEU!.

 

Ebenso vielfältig sind die Ergebnisse jener Musiker, die sich überwiegend von den angloamerikanischen Psychedelic-Sounds jener Ära abzugrenzen versuchten. Die erste CD der vorliegenden Compilation bietet in aller Kürze einen sehr brauchbaren Einblick in dieses Reich musikalischer Abenteuer, das ab Ende der sechziger Jahre entstand. Sehr schade ist das (vermutlich lizenzrechtlich begründete) Fehlen eines Stückes von Can, jener Band, die zusammen mit NEU! in diesem Zusammenhang sicherlich eine der größten Inspirationsquellen für Generationen von Musikern verschiedenster Musikstile und Herkunft war und ist.

 

Viele Aha-Effekte

Ein Blick auf einige Namen der auf der zweiten, „Echoes“ betitelten, CD der Compilation vertretenen Bands deutet auf die Bandbreite jener mehr oder weniger (direkt/bewusst) Beeinflussten hin: u.a. Gravenhurst, Stereolab, Fujiya& Miyagi, Jesus and the Mary Chain oder John Frusciante sind hier zu finden. Manchmal ist es, wie bei Terranova, nur der hypnotische Groove, der Krautrockbezüge zulässt. Fujiya & Miyagi, jene Engländer mit dem japanisch anmutenden Bandnamen, wirken hingegen schon fast epigonenhaft.

 

Mit Ausnahme von International Pony´s „Gothik Girl“, das hier nichts verloren hat, ergeben sich jedenfalls viele Aha!-Effekte und für bisher noch so nicht mit der Materie Vertraute hoffentlich auch vielerlei Anregungen, den Originalen weiter nachzuspüren.

 

Propheten im eigenen Land

Unverzichtbar und unbedingt empfohlen seien hierzu neben den frühen (wieder aufgelegten) Can-Klassikern vor allem die drei NEU!–Studiowerke, deren Wiederveröffentlichung vor einigen Jahren auf Herbert Grönemeyers wirklich vorzüglichem Label Grönland erfolgte. Der spezielle, minimalistische Groove des NEU!-Drummers Klaus Dinger begegnet einem ähnlich dem berühmten Bo Diddley Beat bis in alle Ewigkeit immer wieder. Zudem kann man NEU! 2 als frühestes Beispiel der Remix-Kultur ansehen.

 

Was den Weg von Kraut zur elektronischen Musik, zum Ambient und Postrock anbelangt, seien noch Cluster und die daraus (mit Michael Rother von NEU!) entstandenen Harmonia erwähnt. Mit beiden Projekten arbeitete Brian Eno zusammen, was sich sowohl auf dessen Soloveröffentlichungen als auch auf die drei von ihm (mit-)produzierten Alben der sogenannten Berlintrilogie von David Bowie deutlich auswirkte – und somit für viele „Echoes“ sorgte. Nicht umsonst wird Eno das Zitat zugeschrieben, Harmonia sei "the world's most important rock band" Mitte der Siebziger gewesen. Auf dem Weg zur halbwegs breitenwirksamen Anerkennung der Kraut-Propheten im eigenen Land können Veröffentlichungen wie „Krautrock Masters & Echoes“ nur begrüßt werden.

 

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