Die wahre Berlin -Trilogie hat natürlich David Bowie Ende der Siebziger schon abgeliefert. Aber Tocotronic geht es nicht darum, Berlin als einmalige Stadt abzufeiern. Das für ihre letzten Alben prägendste an Berlin ist das Mischpult von Produzent Moses Schneider. Tocotronic gehören weder Hamburg noch Berlin, aber sie wollen -und sollen- gehört werden! Neben Schneider muss auch der zweite Gitarrist Rick McPhail genannt werden, sucht man Antworten auf die berechtigte Frage, warum zum Teufel diese Band immer noch besser wird. Im Zentrum bleibt jedoch nach wie vor Sänger und Gitarrist Dirk von Lowztow, dessen Stimme zusammen mit der Art und Weise, in der hier Worte zueinander finden, einen wichtigen, eigenen Soundaspekt ergibt.
Slogans wie „Macht es nicht selbst“ machen den Hörer zunächst neugierig auf Inhalt und Aussage eines Songs. In diesem Fall kann man das als einen nicht allzu ernst gemeinten Protestsong gegen den Do-It-Yourself-Trend deuten, der ja heute alle Lebensbereiche anfällt und nicht auf den Hobbykeller allein zu beziehen ist (wenngleich im dazu produzierten Video randalierende, an einen gewissen Baumarkt erinnernde Monsterbiber einen Auftritt haben). Meist bleibt der Freiraum für inhaltliche Deutungen sehr groß. Hier werden nicht einfach Geschichten erzählt. Ebenso wichtig wie der Inhalt ist zudem der Klang der oft seltsam theatralisch anmutenden Texte, die doch eher Dichtern vergangener Tage, als typischen Rocksängern aus der Feder geflossen zu sein scheinen.