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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:53

Midlake: The Courage Of Others; Jackie Oates: Hyperboreans

04.02.2010

Melancholische Traditionspflege

Zwei neue Folk-Veröffentlichungen könnten dazu imstande sein, Freunden gepflegter melancholischer Akustikklänge einen schönen Vorfrühling zu bereiten. Traditionspflege für ästhetisch bewusste Hörer. Von SEBASTIAN KARNATZ

 

Midlake aus den Vereinigten Staaten geben sich redlich Mühe uns mit einem äußerst fein gewobenen Netz aus Trauer zu umfangen. Ihr neues Album „The Courage Of Others“ ist ein seltsamer Brocken voll von wunderbarer melancholischer Musik, der sich etwas weiter von den bisherigen, eher rockenden Veröffentlichungen der Band entfernt hat. „The Courage Of Others“ ist lupenreiner Folk, mal britischer, mal amerikanischer Prägung – hinter der Ecke lugen Jethro Tull, die Fleet Floxes, America und viele andere hervor, doch Midlake bleiben zumeist so eigenständig, dass man die großen Vergleichskeulen eher ungern bemüht.

 

Traumwandlerisch schöne Gitarrenmelodien, seltsam verzauberte Flöteneinlagen und wunderbarer Satzgesang ergeben ein Album, das den Hörer im wahrsten Sinne des Wortes gefangen nimmt. Sollte man sich kurz aus der intensiven Umklammerung dieses Folk-Wall-of-Sounds lösen können, denkt man kurz darüber nach, dass dieser auch instrumental brillant inszenierte monolithische Block an Musik irgendwie so etwas wie die Doom-Variante von Neo-Folk ist. Dieser Gedanke währt allerdings nur kurz, weil er schnell wieder im allgemeinen Weltschmerz dieser erhabenen Scheibe versinkt.

 

British Folk

Jackie Oates kann hier vielleicht Abhilfe schaffen. Ihr Album „Hyperboreans“ gilt bereits jetzt als eines der Meisterwerke des neuen, aber nicht traditionsvergessenen britischen Folk und geht mit dem schönen „The Miller And His Three Sons“ auch ziemlich flott und – Vorsicht Wortspiel! – quietschfidel los. Allerdings legt sich auch hier schnell eine melancholische Stimmung über die weiten Fluren des verregneten britischen Landes. British Folk und wahrhaft empfundene innere Tristesse scheinen dann wohl doch irgendwie zusammen zu gehören. Oates Traditionspflege gerät aber stets so frisch und jung, dass wohl auch notorische Folk-Hipster durchaus mal ein Ohr riskieren könnten. Dazu passt dann auch, dass sich mitten unter die alten Traditionals tatsächlich das überaus bezaubernde Sugarcubes-Cover „Birthday“ eingeschlichen hat.

 

Um den modernen Folk muss man sich angesichts dieser beiden Veröffentlichungen kaum Sorgen machen. Wer also musikalische Traditionspflege betreiben will, sollte keinen Augenblick zögern, diese beiden CDs – „The Courage Of Others“ gibt es passenderweise auch als Vinylpressung – zu erwerben.

 

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