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Mittwoch, 08. Februar 2012 | 08:44

Built To Spill: There Is No Enemy

11.02.2010

Indierock ohne Verfallsdatum

Über drei Jahre hat die Band um Doug Martsch gebraucht, um ein neues Album fertigzustellen. Heutzutage eine halbe Ewigkeit. Aber es ist nie zu spät, neue Freunde hinzuzugewinnen. There is no enemy. Von TOM ASAM

 

Für diejenigen, die einem neuen Album der Semilegende aus Idaho hierzulande freudig entgegensahen, hat sich die Warterei zusätzlich um drei Monate verlängert - war „There Is No Enemy“ bei uns doch seit Oktober allenfalls als Import erhältlich. Abgesehen von einem Livealbum und einer etwas (zu) blueslastigen Soloscheibe von Gitarrist und Sänger Doug Martsch, brachten es Built To Spill im letzten Jahrzehnt gerade mal auf zwei Veröffentlichungen. An die absoluten Glanzleistungen der 90er-Jahre konnten sie dabei nicht ganz anschließen. Darf man „Perfect From Now On“ (1997) und „Keep It Like A Secret“ (1999) doch getrost als Meilensteine einer ganzen Generation amerikanischer Gitarrenbands ansehen. Falls es überhaupt sinnvoll ist, von einer Generation zu sprechen, haben vergleichbare Bands wie Pavement oder Guided by Voices doch schon einige Jahre früher losgelegt.

 

Musik, welche die Liebe zur Gitarre mit Melodien und Emotionen zu verbinden weiß und einem gleichzeitig das Gefühl gibt, persönlich angesprochen zu sein, ist aber sowieso ziemlich zeitlos. Es erübrigt sich der Blick auf Gründungsdaten oder Veröffentlichungsabstände genauso wie die Frage danach, was heutzutage „Indie“ oder „Alternative“ ist spätestens dann, wenn einen ein Built To Spill-Song gefangen nimmt.

 

Mit Pauken und Trompeten zurück

Doug Martsch, einziges Dauermitglied und Herz der Band, findet mit seiner Gitarre und seiner Stimme eine Ausdrucksweise, die es nicht darauf anlegt, kategorisiert zu werden. Und er macht es sich nicht leicht dabei. Bei aller Gitarrenmacht ist man weit entfernt von spontanen Punkeruptionen. Die mäandernden, effektbeladenen Gitarrentracks entstehen Lage um Lage in langen Studionächten und werden wieder und wieder überarbeitet, ohne dass das Ergebnis steril wirkt. Auch wenn die Gitarren teils auf klassische Rockbands verweisen, hat das Ergebnis nichts mit verstaubtem Dinorock zu tun.

 

Wenn zu diesem durchaus individuellen Gitarrensound der unbedingte Drang zur Melodie (bis hin zum 60s-orientierten "La-La-La"-Pop in „Life´s A Dream“) hinzukommt, ergibt sich das beste aus zwei Welten. Ob in drei- bis vierminütigen Songperlen, die die erste Albumhälfte diesmal einleiten, oder im abschließenden, knapp achtminütigen „Tomorrow“ - es gibt in jedem Track zudem auch textlich viel zu entdecken und zu deuten! Doug liegt nichts daran, das Volk mit Slogans zu füttern, vielmehr ergeben sich oft Deutungsmöglichkeiten in verschiedene Richtungen. „Has it been that long/ where´s the time and the table gone/ hope it´s longer than that now/ don´t forget we don´t know how ...” (“Nowhere Lullaby”).  

 

To spill the beans about Built To Spill: Sie sind mit Pauken und Trompeten (Trompetenparts gibt’s wirklich!) zurück und bleiben hoffentlich noch eine Weile! Langzeitfans werden blind zuschlagen. Aber auch für diejenigen, deren Indierocksozialisation mit Hüsker Du oder den Pixies endete, ohne Built To Spill wahrgenommen zu haben, lohnt sich eine Anschaffung, ebenso wie für Fans von Neil Young oder Wilco. Am besten in Kombination mit den oben genannten Highlights aus den 90ern.

 

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