Vor kurzem habe ich mich an gleicher Stelle über die zunehmende stilistische Vielfalt im Hause Warp im allgemeinen und das gelungene Debüt des neu gesigneten Gonja Sufi im Speziellen ausgelassen. Mit Autechre legen nun quasi alte Warp-Stall-Hasen ihr bereits zehntes Studioalbum vor, mit dem sie beweisen, dass sie längst nicht zum alten Eisen gehören (oder in die alte Eisenpfanne - um beim Stallhasen zu bleiben).
Nur die größten Fans werden die Karriere von Sean Booth und Rob Brown, die hinter Autechre stecken, lückenlos verfolgt haben. Der Großteil derer, die bis hier weitergelesen haben, dürfte jedoch wissen, dass Warp - und Autechre - sich vor allem einen Namen im Bereich der experimentellen elektronischen Musik gemacht haben. Es gibt wohl kaum ein anderes Label, das so viele Musikbegeisterte mit unterschiedlichster - oft gitarrenzentrierter - Musiksozialisation für die Welt der bizarren elektronischen Klänge sensibilisierte.
Die Briten Booth und Brown, ursprünglich im Lager der Hip-Hopper und Sprayer zu Hause, widmeten sich mit den ersten drei Alben einer Art Ambient Techno, die durchaus gewisse melodische Elemente beinhaltete. Mitte der 90er-Jahre verschrieben sie sich zunehmend der Rekonstruierung mathemathischer Formeln in musikalische Klänge und damit der Dekonstruierung populärmusikalischer Songstrukturen. Das Ergebnis ist dem Klickersound in der CT-Röhre näher als beispielsweise einem Kraftwerk-Track und stellt(e) sicher für nicht wenige eine akustische Grenzerfahrung oder gar Herausforderung für die Nerven dar.