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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:57

Autechre: oversteps

25.03.2010

Zwischen Wohlklang und Experiment

Audio technology research wäre eine mögliche Deutung des angeblich durch zufällige Zufügung von Buchstaben an die Ursilbe „au“ enstandenen, genialen Bandnamens. Auch Autechres Musik lässt sich stets neu deuten - und genießen. Von TOM ASAM

 

Vor kurzem habe ich mich an gleicher Stelle über die zunehmende stilistische Vielfalt im Hause Warp im allgemeinen und das gelungene Debüt des neu gesigneten Gonja Sufi im Speziellen ausgelassen. Mit Autechre legen nun quasi alte Warp-Stall-Hasen ihr bereits zehntes Studioalbum vor, mit dem sie beweisen, dass sie längst nicht zum alten Eisen gehören (oder in die alte Eisenpfanne - um beim Stallhasen zu bleiben).

 

Nur die größten Fans werden die Karriere von Sean Booth und Rob Brown, die hinter Autechre stecken, lückenlos verfolgt haben. Der Großteil derer, die bis hier weitergelesen haben, dürfte jedoch wissen, dass Warp - und Autechre - sich vor allem einen Namen im Bereich der experimentellen elektronischen Musik gemacht haben. Es gibt wohl kaum ein anderes Label, das so viele Musikbegeisterte mit unterschiedlichster - oft gitarrenzentrierter - Musiksozialisation für die Welt der bizarren elektronischen Klänge sensibilisierte.

 

Die Briten Booth und Brown, ursprünglich im Lager der Hip-Hopper und Sprayer zu Hause, widmeten sich mit den ersten drei Alben einer Art Ambient Techno, die durchaus gewisse melodische Elemente beinhaltete. Mitte der 90er-Jahre verschrieben sie sich zunehmend der Rekonstruierung mathemathischer Formeln in musikalische Klänge und damit der Dekonstruierung populärmusikalischer Songstrukturen. Das Ergebnis ist dem Klickersound in der CT-Röhre näher als beispielsweise einem Kraftwerk-Track und stellt(e) sicher für nicht wenige eine akustische Grenzerfahrung oder gar Herausforderung für die Nerven dar.

 

Sounds für den Tanz im Kopf

"oversteps" bietet eine gewisse Mäßigung in Sachen disharmonischer Defragmentierung und pendelt sich mit einer Wiederannäherung an Melodien perfekt zwischen Klangexperiment und Wohlklang ein. Das Ergebnis fällt etwas beatärmer aus als vielleicht erwartet und lässt - wohl aufgrund der Verwendung ähnlicher Synthiesounds - hin und wieder Vergleiche zu den Labelmates Plaid zu. Für Autechres Verhältnisse stellenweise durchaus träumerisch und mit gewissenen repetitiven Elementen, ist "oversteps" auf alle Fälle ein traumhaft gutes Album geworden.

 

Für den Dancefloor zwar nach wie vor nicht geeignet, hat man es dafür mit elektronischer Musik der Art zu tun, die zum Tanz im Kopf auffordert. Wen das nicht auslastet, der kann sich während des Hörens Gedanken darüber machen, was hinter kryptischen Songtiteln wie "KrYlon", "O=0" oder "Pt2ph8" steht und die stilsichere Covergestaltung genießen. Für Fans ebenso zu empfehlen, wie für von Freakfolk- oder Neoshoegaze müde Musikjunkies auf der Suche nach einer neuen Droge.

 

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