Traumhafte Ästhetik
Die "Sunflower Stories" bilden den abschließenden Teil einer EP-Trilogie. Die vier Instrumentalstracks leben von schimmernden Texturen und ambienthaften Gitarrenschichten und machen mit ihrer traumhaften Leichtigkeit Lust auf den Frühling. Damit liegt Robin soundtechnisch deutlich näher am alten Cocteau-Dreampop als bei noisigeren und herbstlicheren (Neo-)Shoegazern. Man könnte sich wunderbar ein, zwei Stücke auf dem brillanten „Lost in Translation“-Soundtrack vorstellen, in dessen Zentrum ja Kevin Shields, der ruhiger gewordene My-Bloody-Valentine-Held, steht. Man wartet nur noch darauf, dass Elizabeth Fraser jeden Moment ihre Stimme erhebt. Doch das wird leider nicht passieren, denn das ehemalige Paar (die beiden haben eine gemeinsame Tochter) findet wohl weder privat noch musikalisch je wieder zusammen. Deshalb kam es trotz großer Geldsummen, die im Raum standen, auch 2005 nicht zu einer bereits angekündigten Cocteau Twins-Reunion.
Aber auch wenn es hier beim rein instrumentalen Sound bleibt, kann ich die EP nur empfehlen. Ob es mehr als ein kostengünstiger Download sein soll, muss angesichts einer Spielzeit von leider nur 16 Minuten jeder selbst entscheiden. Ein Argument für den Erwerb des Digipaks ist allerdings das wunderschöne Cover, das sich in eine lange Reihe von Guthrie-Veröffentlichungen einfügt, bei denen sich die Ästhetik nicht bloß auf den Sound beschränkt. Der Mann hat Geschmack!