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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:58

Caribou: Swim

22.04.2010

Tierisch gut

Das Rentier begibt sich in fließende (Sound-)Gewässer – und fühlt sich dabei offensichtlich pudelwohl. Von TOM ASAM

 

 

Zur Erklärung: die nordamerikanische Variante des Rentiers wird als caribou bezeichnet. Diese indianische Wortschöpfung klingt nicht nur deutlich schöner, es entfällt auch die doofe Weihnachtsassoziation. Dan Snaith, der Mann hinter der Rentiermaske, veröffentlicht schon seit einem Jahrzehnt Musik, doch breitere Aufmerksamkeit wurde ihm erst mit dem 2007er-Album "Andorra" zuteil. Seine zitatreichen, atmosphärisch dichten Songs, entstanden überwiegend in heimischer Laptopfrickelei, wurden in der kanadischen Heimat 2008 sogar mit dem renommierten Polar Music Price ausgezeichnet.

 

Ich erinnerte "Andorra" als songorientiertes, mit psychedelischen 60s-Pop garniertes Album und war beim ersten Hören von "Swim" etwas überrascht, scheint es dem Dancefloor deutlich näher zu stehen. Nachdem ich mir beide Alben noch einmal vorgeknöpft habe, ist der Unterschied sooo groß nicht. Bereits auf dem "Andorra"-Abschluss-Track "Niobe" zeigt sich Snaiths Begeisterung für sich aufbauende, verschwindende und wieder einsetzende Synthiesounds.

 

Tanzmusik aus Wasser

Nach weiteren Durchgängen von "Swim" wird klar, dass man sich auch gar nicht wirklich entscheiden muss zwischen 60s-Pop und Dancefloor, Kopfhörer oder Tanzfläche, Song oder Track. Hier vereinigen sich einige Welten auf unaufgeregte Weise und in überzeugender Soundpracht. Dan Snaith, der die musikalische Bandbreite eines Arthur Russells bewundert, umschreibt seine Absicht hinter "Swim" als Versuch, Tanzmusik zu schaffen, die eher klinge, als sei sie aus Wasser gemacht – und nicht aus metallischen Substanzen. Wir hören weniger Vocalparts, weniger Bass- und Gitarrensounds als zuvor, statt Unmengen gesampleter überwiegen diesmal programmierte Drumsounds. Doch wie auch immer Caribous Tracks zusammengesetzt sind, fehlt ihnen trotz aller Technik, die dahintersteckt, nie eine gewisse organische Ausstrahlung. Spielereien wie die Horn-Section bei "Hannibal" oder das Zusammentreffen von tiefen Bass-Sounds sowie tibetanischen Klangschalen und spannenden perkussiven Elementen in "Bowl" sorgen dafür, dass man sich auf eine audiophile Entdeckungsreise begeben kann, die länger andauert. James Holden, dessen Arbeit wohl einigen Einfluss auf Snaith hatte, willigte übrigens umgehend ein, besagtes "Bowl" zu remixen, was einem weiteren Schritt Caribous in Richtung breiteren Erfolg sicherlich nicht abträglich sein wird.

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