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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:58

Tolouse Low Trax: Mask Talk

29.04.2010

Düsseldorf? Ast-Rhein!

Cosmic Kraut in der Verpuppungsphase der analogen Drumcomputermusik oder: Post-Postrock und Post-Impressionismus. Von TOM ASAM

 

Wenn einem dieses Album zufällig in die Hände und der Blick auf das Cover (dunkellila Pinselstriche auf helllila Untergrund, darauf Band- und Albumtitel in Scrabble-Manier ohne Anschlusslogik) fällt, könnte man ehrlich gesagt denken, das erste Demo einer beliebigen Schülercombo aus dem Nachbarkaff in Händen zu halten. Songtitel wie "Subghosts", "Kingdom" oder "Sebtemba" ändern daran auch nicht unbedingt etwas. Liest man die Worte „Karaoke Kalk“ im Kreisrund, kommt man von der Kaffcombo-Theorie ab; weiß man, dass sich hinter dem bemühten Bandnamen Detlef Weinrich, Gründungsmitglied von Kreidler versteckt, bekommt man zittrige Finger, denen es nicht schnell genug gelingen mag, den Tonträger seiner Verpackung zu entnehmen. Und beschließt, sich später nochmal dem Cover zu widmen.

 

Warten auf die Nacht-Armee

Denn Kreidler, die das Beste aus Düsseldorf (NEU!, Kraftwerk) mit kühler New-Wave-Strenge vermischt, Kraut zurück auf den Teller brachte, lange bevor es andere auf der Speisekarte hatten, und Technoelemente mit Postrock verschränkt, ist spätestens seit dem 1998er-Werk „Appearance And The Park“ über alle Zweifel erhaben. Nun hält man nach dem unfassbar guten "2014" und dem ebenfalls gelungenen To Rococo Rot-Album „Speculation“ innerhalb von sechs Monaten das dritte Album mit Bezug zum deutschen Pop-Avantgarde-Schiff Kreidler in Händen. „Mask Talk“ entstand in Weinrichs Schlafzimmer, versetzt den Hörer allerdings mit seiner Mischung aus großstädtischer Kühle und hypnotischer Rhythmik in eine Phantasiemetropole eines uns noch nicht gänzlich bekannten, düsteren Reiches jenseits der Zeit.

 

Stell dir vor es ist Nacht, aber der Himmel leuchtet. Das Solo-Debüt von Weinrich (sieht man von einer Jahre zurückliegenden Maxi-Veröffentlichung ab) hat nichts von spröder Alleingang-Frickelei und überrascht trotz eigentlich nicht überraschender Zutaten durch ein atmosphärisch dichtes Sounderlebnis, das die Frage danach, welche Synthies wann und wo zum Einsatz gekommen sind, völlig vergessen macht. Hallhölle mit sachter Melodieprägung, analoger Effekt-Affekt mit System. Licht runterdimmen und zu später Stunde das heimische Wohnzimmer zum Dancefloor der etwas anderen Art gestalten! Und warten bis die „Nacht Armee“ kommt, was leider nur auf der Download-Variante der Fall ist.

 

Farbe und Form

Ach ja, das Cover! Das Wortspiel Tolouse Low Trax / Toulouse Lautrec bringt uns auf den französischen Künstler, der dem Postimpressionismus zugeordnet wird. Leuchtet ein, von wegen: Weinrich und dessen Kontakt zur Düsseldorfer Kunstakademie! In dieser Phase der Malerei wurde die Bildfläche gerne aufgeteilt in ein durchdachtes Gerüst von Flächen und Linien. Na gut. Der ästhetische Genuss allerdings, auf den die Darbietung von Farbe und Form dabei abzielt, der stellt sich bei mir leider nicht ein. Egal, es geht ja um die Musik, und ausgerechnet an diesem Cover, bei dem sich anscheinend zumindest wer was gedacht hat, rumzumäkeln, ist wohl unfair. Denn die Anzahl gut anzuhörender Neuerscheinungen ist derzeit deutlich größer als die Anzahl gelungener Cover-Artworks!

 

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