Warten auf die Nacht-Armee
Denn Kreidler, die das Beste aus Düsseldorf (NEU!, Kraftwerk) mit kühler New-Wave-Strenge vermischt, Kraut zurück auf den Teller brachte, lange bevor es andere auf der Speisekarte hatten, und Technoelemente mit Postrock verschränkt, ist spätestens seit dem 1998er-Werk „Appearance And The Park“ über alle Zweifel erhaben. Nun hält man nach dem unfassbar guten "2014" und dem ebenfalls gelungenen To Rococo Rot-Album „Speculation“ innerhalb von sechs Monaten das dritte Album mit Bezug zum deutschen Pop-Avantgarde-Schiff Kreidler in Händen. „Mask Talk“ entstand in Weinrichs Schlafzimmer, versetzt den Hörer allerdings mit seiner Mischung aus großstädtischer Kühle und hypnotischer Rhythmik in eine Phantasiemetropole eines uns noch nicht gänzlich bekannten, düsteren Reiches jenseits der Zeit.
Stell dir vor es ist Nacht, aber der Himmel leuchtet. Das Solo-Debüt von Weinrich (sieht man von einer Jahre zurückliegenden Maxi-Veröffentlichung ab) hat nichts von spröder Alleingang-Frickelei und überrascht trotz eigentlich nicht überraschender Zutaten durch ein atmosphärisch dichtes Sounderlebnis, das die Frage danach, welche Synthies wann und wo zum Einsatz gekommen sind, völlig vergessen macht. Hallhölle mit sachter Melodieprägung, analoger Effekt-Affekt mit System. Licht runterdimmen und zu später Stunde das heimische Wohnzimmer zum Dancefloor der etwas anderen Art gestalten! Und warten bis die „Nacht Armee“ kommt, was leider nur auf der Download-Variante der Fall ist.