Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 09:58

Sharon Jones & The Dap Kings: I Learned The Hard Way

29.04.2010

Black and proud

Sie ist klein, 53 Jahre alt, und ihre Figur lässt sich nur mit dem hässlichen Attribut „vollschlank“ beschreiben. Aber wenn sie zu singen beginnt, können einem all die Cyber-Schönheiten des R&B gestohlen bleiben. Von CHRISTOPH HAAS

 

Schon Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger hat Sharon Jones sich an einer Karriere im Showbiz versucht. Der Erfolg war so bescheiden, dass sie schließlich nur noch nebenher sang, im Kirchenchor etwa, und ansonsten alle möglichen Jobs annahm – darunter auch als Wärterin in dem berüchtigten, vor New York gelegenen Gefängnis Rikers Island. Wiederentdeckt – oder überhaupt erst entdeckt – wurde sie dann von Gabriel Roth, dem Chef des kleinen Daptone Labels, auf dem einige der besten Retro-Soul/Funk-Scheiben der letzten Jahre erschienen sind. Das Debüt „Dap Dippin’ with Sharon Jones and The Dap Kings“ sorgte 2002 für Aufsehen, jetzt liegt die vierte Veröffentlichung vor.

 

Retro-Charme ...

„I Learned The Hard Way“ bietet klassischen, vollmundigen Soul, wie er Anfang der Siebziger bei Hi und Stax aufgenommen wurde; manchmal klingt sogar ein wenig Motown-Süße an. Von den dramatischen Bläsern über die sexy Backgroundseufzer bis zu den gerne twangenden Gitarren regiert eine extreme historistische Akkuratesse. Retro-Charme oder Retro-Wahn – ist das hier die Frage? Nein, denn es ist unmöglich, dieser Musik nicht zu verfallen: zu stark sind ausnahmslos die Songs, zu packend Sharon Jones’ Stimme, die mühelos, lässig from a whisper to a scream und wieder zurück gleitet. Seit den Glanzzeiten von Anne Peebles, Candi Staton und Marie „Queenie“ Lyons war so etwas nicht mehr zu hören.

 

... und schlaue Texte

Auch bei den Texten genauer hinzuhören lohnt sich. In „Window Shopping“ ärgert Jones sich über ihren Freund, der auf der Straße ständig anderen Frauen hinterher starrt. Schließlich gibt sie ihm souverän den Laufpass; der bindungsunfähige Kerl hat einfach nichts Besseres verdient. „Money“ hat ein gesprochenes Intro: „Yeeaaah“, schnurrt Jones mit einem kratzig-fauchenden Unterton, „without money, what would we do?“ Dann, ein paar Takte weiter, bei erhöhtem Tempo, der Wechsel zum Gesang: „Money, where have you gone to? I got to pay my bills, got to pay my rent. I’m hungry and tired, but my money’s all spent.” Und da ist sie dann plötzlich, die Aktualität. Die Musik ist von gestern, aber wovon sie spricht, was in ihr mitschwingt, passt in unsere Tage: „I Learned The Hard Way“ ist ein guter Soundtrack zur Krise.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...