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Freitag, 25. Mai 2012 | 09:59

Rufus Wainwright: All Days Are Nights: Songs For Lulu

13.05.2010

Klavier. Stimme. Drama.

"Songs For Lulu" sind auch songs for Kate McGarrigle, die kürzlich verstorbene Mutter des Künstlers. Eine Inszenierung der eigenen Trauer und Ängste. Von TOM ASAM

 

Nach einer handvoll opulent inszenierter Alben, einer Judy-Garland-Hommage sowie einer Oper war es wohl Zeit für Rufus Wainwright ein etwas weniger glamouröses Album zu vertonen. Der Tod der Mutter sowie die nach eigenen Aussagen fällige intensivere Auseinandersetzung mit dem Tasteninstrument passen zur Entscheidung, sich alleine auf Piano und Stimme zu verlassen. Doch das Album der großen Reduktion ist "All Days Are Nights" insofern nicht geworden, als dass große Gesten und der Anlass zu großen Vergleichen auch hier nicht ausbleiben. So steht das klassische Kunstlied in der Tradition von Schubert und Schumann ebenso im Raum wie die Wortgewalt eines Shakespeare. Dessen Texte, die Wainwright bereits für die in Berlin aufgeführte Pop-Oper „Shakespeares Sonette“ vertonte, finden hier in drei Stücken Verwendung. Ob dieses Sich-messen mit den Größten allerdings zu einem eigenen Meisterwerk führt, ist fraglich.

 

Rufus bleibt Rufus

Rufus' Klavierspiel ist sicher immer noch nicht von außergewöhnlicher Virtuosität geprägt. Aber weder will er dies kaschieren, noch ist dies ein Nachteil. Denn durch den im Kontrast zu seinen geschwurbelten Gesangslinien stehenden, herzhaften Anschlag wird das Album wenigstens nicht zum sterilen Lieblingsalbum derer werden, die ihre Sammlung ausschließlich nach Feuilleton-Empfehlungen zusammenstellen. Nicht jedermanns Sache mag die Inszenierung der Trauer innerhalb der eigenen Familie sein. Trotz des Verzichts auf orchestrale Instrumentierung bleibt auch "All Days Are Nights" letztlich ein typisches Rufus-Album. Intonation und Phrasierung der Stimme sind unverwechselbar, aber deshalb leider auch irgendwann etwas ermüdend. Und so bin ich vermutlich nicht der einzige, der einige Alben lang begeisterter Zuhörer war, mittlerweile aber einem neuen Album eher mit wohlwollender Sympathie denn mit großer Anteilnahme entgegentritt.

 

Großer Entertainer

Wer dennoch neugierig (geblieben) ist, sollte hier aber unbedingt ein Ohr riskieren und zusätzlich – falls er noch nie ein Werk von Rufus Wainwright gehört hat - ein früheres Album heranziehen ("Want One" oder "Want Two" zum Beispiel). Ein Besuch der in den nächsten Tagen anstehenden Konzerte kann ebenfalls nur empfohlen werden, entfalten sich die Qualitäten eines großen Entertainers, die Rufus Wainwright unbestreitbar besitzt, doch erst so richtig auf der Bühne.

 

Bleibt noch die Frage, was es mit Lulu auf sich hat, hieß die verstorbene Mutter doch Kate. Die literarische Figur Lulu wird von Rufus als Inbegriff einer dämonischen Kraft gesehen, welche die dunkle Seite in uns anspricht. So stellen die Songs auf dieses Albums also nicht nur einen Ausdruck der Trauer, sondern auch die symbolische Opfergabe zur Besänftigung des Bösen dar.

 

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06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
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21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

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