Sehr zurückhaltend
Das passiert für meinen Geschmack jedoch etwas zu zurückhaltend; die angestrebte klangliche Vielseitigkeit springt einen nicht wirklich an. Sowohl der offene Indie-Pop-Fan als auch der Klassikhörer dürfte hier vergeblich auf Überraschungen oder große Gänsehaut-Momente warten. Die erhabenen, upliftenden Momente, die man etwa bei Sigur Rós finden kann, fehlen ebenso wie die dramaturgischen Steigerungen, derer sich ungezählte, klassik-beeinflusste Post-Rock-Bands gerne bedienen.
So bleibt das Album ein angenehmes Stück Musik für wolkenverhangene Tage. Ob es ein Kompliment ist, dass es die erste CD ist, die unkommentiert und protestfrei im Wohnzimmer meiner Eltern in deren Beisein durchlief, weiß ich nicht. Vielleicht zeugt es ja von einer möglichen Breitenwirksamkeit Arnalds. Dass dieser auch anders kann, beweist er unter anderem auf seinem dance-orientierten Nebenprojekt Kiasmos, das ebenso auf dem durchaus interessanten und vielfältigen Label Erased Tape Records zu finden ist.
Für alle, bei denen sich aus der Kombination der Worte Island, elegische Schönheit und Sigur Rós ein bedingter Reflex (erwartungsvoll aufgestellte Lauscher, verklärter Blick, gezückter Geldbeutel) eingestellt hat, der mit vorliegendem Album nicht wirklich bedient wird, noch ein abschließender Tipp: Hilmar Örn Hilmarsson & Sigur Rós: “Angels Of The Universe” (Soundtrack).