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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:00

Glitterbug: Privilege

20.05.2010

Kosmopolit

Glänzende 140-minütige Vorstellung eines Reisenden in Sachen elektronischer Musik. Von TOM ASAM

 

Till Rohmanns Aufbruch in die Weiten der elektronischen Musik waren illegale Acid-Partys in den späten 80ern, gefolgt vom Eintauchen in die experimentelle Technoszene der 90er-Jahre in Köln. Mittlerweile pendelt er zwischen Rhein, Israel (wo er an der Organisation eines Technofestivals beteiligt ist) und den Clubs der Welt. Obwohl sein Debüt „Supershelter“ keinerlei Schelte, sondern jede Menge super Besprechungen einfing, scheint Glitterbug hierzulande noch eine Sache für Eingeweihte. Das niederländische Magazin DJ Broadcast spricht von "Germany's best kept techno secret.” Mit "Privilege" gelingt das Kunststück, Detroit-geschulten Techno so mit ambienthaften Elementen und – mal offensichtlichen, mal subtil verfremdeten - Field-Recordings anzureichern, dass man nach dem 70 Minuten dauernden ersten Tonträger keinesfalls gelangweilt ist, sondern sich wundert, wo die Zeit geblieben ist und gerne mit CD 2 weitermacht.

 

Das Glück der Freiheit

Die kosmopolitische Einstellung Rohmanns dient nicht nur der Vielschichtigkeit seines Techno-Ansatzes, sondern schlägt sich auch in seiner Weltsicht nieder. So erklärt sich der Albumtitel nach dem Lesen des Booklets insofern, als Rohmann es als Glück bezeichnet, die Möglichkeit zu haben, die Welt zu bereisen. Er spricht gar von einem obszönen Reichtum an Möglichkeiten, die sein Leben im Vergleich zur Mehrheit der Erdenbewohner in sich birgt. Die musikalische Umsetzung seiner Erkenntnisse wirkt jedoch ob dieser Ungleichheit weder desillusioniert noch technoid-unterkühlt. "Privilege" strahlt eher eine undefinierte Zuversicht aus und dient hoffentlich möglichst vielen dabei, von der Schönheit des Lebens zu träumen und an ihr zu partizipieren. Und sei es nur für eine gelungene Nacht im Club oder unter den Kopfhörern.

 

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