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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:02

Von Spar: Foreigner

27.05.2010

Die uneingeschränkte Freiheit des Zitats

Als Künsterkollektiv getarnte V-Mann-Truppe macht sich im Trans-Europa-Express auf den Weg in den Outer Space. Von TOM ASAM

 

Spätestens seit Zoot Womans „Living In A Magazine“ im Jahr 2001 konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, das (Pop-)Leben sei nur noch in einer sich endlos wiederholenden Zitatschleife denkbar. Von Spars 2004 veröffentlichtes erstes Album "Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative" half immerhin zu beweisen, dass es möglich ist, zitatreiche Musik zu veröffentlichen, die zum Tanzen UND Denken anregt. Ihre Bezugnahme auf Postpunk und No-Wave war Zitat und Parodie des Zitatwahns in einem. Als ob das nicht schon Nische genug wäre, tauchten sie drei Jahre später bei einem anderen Plattenlabel (Tomlab statt L´age d` Or) auf – und noch tiefer in den pophistorischen Keller ab. Diesmal mit zwei, im LP- Format gerechnet, Seiten füllenden Tracks, die sich als cleveres Kraut-Ambient-Prog-Amalgam herauskristallisierten. Mit „Foreigner“ macht uns nun das dritte Album beim dritten Label neugierig auf neue Zitatanschläge.

 

I-Tüpfelchen auf dem Aschehaufen des verbrannten Hipsterguts

Das Cover beschert schon mal einen ersten Schwindelanfall und veranlasst zum schnellen Wenden der Tonträgerverpackung. Auf der Rückseite fällt die Schrift-Typo des Albumtitels „Foreigner“auf. Erinnert sehr stark an das Logo der gleichnamigen Band zu Zeiten ihres kommerziell erfolgreichsten Albums. Das Zitieren des völlig Uncoolen als I-Tüpfelchen auf dem Aschehaufen des verbrannten Hipsterguts! Foreigners 85er-Album heißt "Agent Provocateur" - die Bezeichnung für jemanden, der andere zur Untat anstiftet. Und wie es sich für gute V-Männer gehört, sind auch Sebastian Blume, Jan Philipp Janzen, Phillip Tielsch und Christopher Marquez stets dabei, sich einer bestimmten Szene anzunähern, um bereits Geschehenes durch neue Taten ans Tageslicht zu bringen. Diesmal sind sie mit einigen Fläschchen „Scotch & Chablis“ im Transeuropa-Express unterwegs. Sie besuchen Jean Michel im Ashra-Tempel, treffen auf Michael Rother und Klaus Schulze, bevor sie sich frisch gestärkt in ferne Weiten beamen, um mit Ralf Hutter “natural antimatter“ auf der dunklen Seite des Mondes zu sammeln. Dabei steht der eigene Spaß stets im Vordergrund. Obwohl die Taten der Verdächtigen alle nicht verjährt sind, wollen sie niemanden dingfest machen, sondern nur das ganze Space-Kraut selbst einsacken und im Stil der alten Soundgauner losjucken. Damit werden sie wohl wenig Ruhm einfahren und foreigners bleiben. Wen kümmert´s? Wer sich mit auf diese retro-futuristische Spacereise im beeindruckenden Soundgewand mit der Extrabrise Groove machen will, wird es keinesfalls bereuen!

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

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