Thomas Kistner: Fifa-Mafia TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble
Freitag, 25. Mai 2012 | 10:02

Superpunk: Die Seele des Menschen unter Superpunk

03.06.2010

Das Leiden ist vorbei!

„Baby ich bin zu alt“ hieß es unlängst, und vor Jahren wollten sie „nur neue Zähne für mein' Bruder und mich!“ Die körperlichen Unzulänglichkeiten sind vergessen. Superpunk gießen deine Seele. Von TOM ASAM

 

Wie mag sie wohl aussehen, die Seele des Menschen unter Superpunk? Ich würde mal sagen weiß, will heißen: treu und ehrlich, mit leichten Schmutzrändern durch gelegentlich über die Stränge schlagen und Scheiße bauen (ohne Omas hauen!). Auf alle Fälle braucht man erst einmal überhaupt irgend eine Seele, um diese Band zu mögen. Weil: Um Seele geht’s hier immer. Um die Lässigkeit, Trends und Moden zwar (vielleicht) wahrzunehmen, aber nicht zu ernst zu nehmen. Um die augenzwinkernde, menschliche Geste im Alltagsstress. Auch auf ihrem fünften Langspieler beschenken uns Superpunk wieder reichlich mit ihrer lässigen Mischung aus Garage-Pop-Punk und nordisch angerührtem Soul. Auf der 2008er-Scheibe „Why Not“ standen noch die körperlichen Gebrechen im Zentrum, die einem auf halben Weg zwischen verlängerter Adoleszenz und offiziellem Renteneintrittsalter zu schaffen machen. Körper scheiße, Knochen morsch, zu alt...kurzum: “mir geht’s nicht so gut.“ Doch diesmal wird gleich zu Beginn der „Ford Escort“ rausgeholt - und ab geht die Fahrt! Mehr als die Aspirin auf der Mittelkonsole braucht's ja doch nicht, an die kleinen Zipperlein haben wir uns gewohnt. Auch wenn man einsieht: “Das Feuerwerk ist vorüber“ und sich gerne „In der Bibliothek“ eine Auszeit gönnt - ab und an ist das Motto doch noch: “up all night!“ Der eigenwillig hoppelnde Groove der mittlerweile bei Tapete Records untergekommenen Superpunks umkurvt die schlitzohrig-sympathischen Texte in gewohnt lässiger Selbstverständlichkeit.

 

,,Vier Räder und ein Motor, ich komm mir frei und geborgen vor..."

„Oh, dieser Sound“ passt einfach für diese halb vergeigten Tage, an denen du beschließt: Scheiß drauf, passt schon! Wenn du an der Tanke noch 'n Päckchen Kippen mitnimmst, obwohl du aufhören wolltest. Auf dem Heimweg das Fenster runterkurbelst, obwohl es immer noch saukalt ist, und den Ellbogen grinsend raushängst. An der Ampel deinen alten Mobilknochen rausholst, um die Jungs anzurufen – und immer noch grinst, als die Cops dich rauswinken. Und daheim angekommen die Biere zum Kühlen in die Wanne legst, wie zum letzten Mal 1992 – einfach weil du Bock drauf hast! So ein Sound ist das, klar!? Dabei gibt’s, etwa mit den Disco-Anklängen in „Das Feuerwerk..“ oder den geilen Pop-Pomp-Momenten in „Rette dich...“, noch kleine Sahnehäufchen auf den leckeren, gutbürgerlichen Superpunk-Apfelkuchen. Das einzige, was mich leicht traurig stimmt, ist, dass im tollen Superpunk-Logo um die geballte Faust nicht mehr „Superpunk Hamburg-München“ steht! Der Hintergrund: Bassist Tim Jürgens ist nicht mehr beim Hochglanzmagazin mit den tollen Klapp-Popopostern, das man immer wegen der „guten Interviews“ gekauft hat, tätig. Dafür ist er stellvertretender Chefredakteur bei 11 Freunde. Auch schon wieder geil, Mann. Aber halt in Berlin. Sei's drum: Superpunk: HH – Berlin. Spitzenband. Super Platte. Tolles Cover (S/W-Schnappschuss ins Publikum des guten alten Star-Clubs!? Und Hamburg-Legende als Produzent: Bernd Begemann. (Na, wäre in zwei Sätzen auch gegangen - ohne das Gesülze, was!).

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...