Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Eli Pariser: Filter Bubble Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 10:03

Steve Hackett. Out Of The Tunnel´s Mouth

17.06.2010

Neuer Stoff für die Gemeinde

Während angesagte Neo-Progger wie Mars Volta, Mastodon oder Tool ungestraft ausufernde Konzeptalben auf den Markt bringen dürfen, die zwar viele Menschen kaufen, doch wohl nur wenige wirklich hören, fristet der klassische Progressive-Rock sein Dasein in einer wohlbehüteten Nische. Von SEBASTIAN KARNATZ

 

In jener Nische gibt es das ehrwürdig-spleenige Szene-Magazin Eclipsed, eingefleischte Fans, Kenner und – vor allem – treue Käufer. So gedeihen dort weiterhin vom Licht der musikalischen Öffentlichkeit weitestgehend unbehelligt Pink-Floyd-Klons, Genesis-Revivals und Gentle-Giant-Verschnitte, deren musikalische Relevanz zumeist den Gefühlen eines Historikers beim Betreten eines Mittelaltermarktes entspricht: durchaus liebenswert, aber doch irgendwie verfehlt. Wie Tradition und Moderne eine verführerische Kombination ergeben können, zeigen seit einigen Jahren beständig Porcupine Tree, die den kleinen Kinderschuhen der Genre-Grenzen längst entwachsen sind. Erneuerung scheint also auch in Biotop „Prog“ noch immer möglich zu sein.

 

Ähnlich verhält es sich auch mit den alten Helden. Den ungeteilten Jubel der Proggemeinde erhalten vor allem jene, die es schaffen, sowohl den Nostalgiefaktor als auch den Novitätenhunger angemessen zu befriedigen. David Gilmours „On An Island“ war schöner nostalgischer Kitsch, also etwas zu schwärmerisch vergangenheitstrunken. Peter Gabriels „Scratch My Back“ hingegen schockte die Anhängerschaft mit der völligen Absenz der traditionellen Prog-Instrumentierung. Ohne Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard zelebrierte Gabriel seine Liebe zur Minimal-Music – das war eindeutig zu viel Forscherdrang. Dass Gabriels brillantes Alterswerk von der Pop-Presse als Konsensalbum gefeiert wurde, minderte die Skepsis der Prog-Gemeinde nicht im Geringsten.

 

Die konservative Progressive-Rock-Seele

Steve Hackett könnte also mit seinem neuen Werk „Out Of The Tunnel’s Mouth” in eben jene Lücke vorstoßen, die Gabriels Klassikflirt unausgefüllt gelassen hat. Hackett, wie Gabriel Ex-Mitglied von Genesis, veröffentlicht seit Jahren beständig neue Alben, deren Niveau nur selten schwankt. Solide, gut gemachte Kost, die vor Experimenten nicht zurückscheut und doch dabei niemandem weh tut. Er ist die paradigmatische Verkörperung der inzwischen paradoxerweise konservativ gewordenen Progressive-Rock-Seele: Sein Forscherdrang beschränkt sich zumeist auf Altbekanntes. Hier ein wenig Jazz, dort ein Sprengsel Flamenco und gerne auch etwas Klassik – doch nicht etwa Steve Reich oder Philipp Glass, wie bei Gabriel, stehen hier Pate, sondern die Soundtrackderivate großer klassischer Musik des 19. Jahrhunderts, Romantik light sozusagen.

 

Diese Mischung bestimmt auch Hacketts neues Werk, das sehr konzentriert daherkommt. Unnötige Ausflüge in die Welt der Technikbeschau waren ohnehin nie sein Ding, aber auf „Out Of The Tunnel’s Mouth” wirkt Hacketts Prog-Variante noch folgerichtiger, noch songorientierter als zuvor. Das funktioniert bei kleine Pretiosen wie dem Flamenco-Pop-Mix „Nomads“ ganz hervorragend, bei anderen Songs wie dem furchterregenden „Emerald And Ash“ fühlt man sich hingegen an Schlager der übleren Sorte erinnert.

 

Diese gelegentlichen Ausflüge in die Welt der harmonieseligen Banalitäten mag man Hackett jedoch gerne verzeihen, denn „Out Of The Tunnel’s Mouth” bietet ein solides Prog-Vergnügen aus einem Guss, das auch bei mehreren Durchläufen nicht wirklich langweilig zu werden droht. Die popkulturelle Relevanz von Gabriels Alterswerk erreicht Hacketts neues Album zu keiner Zeit. Die Gemeinde wird ihm dies danken.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...