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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:03

The Gaslight Anthem: American Slang

01.07.2010

Auf zum Baggersee!

Egal ob alles gleich bleibt oder sich ändert: Haben wir alles schon gehört. Na und? Von TOM ASAM

 

Als vor ein paar Tagen ein Konzert mit den vier (einstigen) Göttern des T(h)rash-Metals Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax via Satellit von Bulgarien (!) in 800 Kinos auf der ganzen Welt übertragen wurde, habe ich mich mal wieder gewundert, wie weit es einige ehemalige, musikalische Underdogs mit Durchhaltevermögen gebracht haben. Anders als die alten Metalrecken, die stets neue Generationen mit ihren ewig gleichen Gassenhauern beglücken, gehen vermehrt Bands vor, die über mehr oder weniger tiefe Hardcore-Wurzeln verfügen. Sie frisieren ihre Songs bewusst mit Elementen des Mainstreams – des Mainstreams der 70er und 80er Jahre.

 

Denn spätestens seit Anfang der 90er, als MTV (und später sogar Versicherungen und Telekommunikationskonzerne) im Zuge des Grunge-Hypes bemerkten, dass sich jede Art subkultureller Codes kommerziell instrumentalisieren lässt, ist der Zug Richtung „Mainstream der Minderheiten“ abgefahren. Heute ist man - irgendwie „Indie“ gelabelt - mit reichlich Zierrat und Zitat aus eben noch deutlich „no go“ eingestuften Regionen im Gepäck beides gleichzeitig: Minderheit und Mainstream! Der (vorgeschobene) Anspruch auf Erneuerung oder gar Aufruhr weicht dabei gerne der puren Unterhaltung, was nicht automatisch verkehrt sein muss.

 

The Revolution was a lie!

The Gaslight Anthem klangen auf ihrem vorhergehenden Album „The 59 Sound“ wie Springsteen zu „Born to run“-Zeiten. Allerdings ohne dessen heute etwas verstaubt wirkende Instrumentierung, reduziert auf die typische Rockband. Knackige Songs, Killer-Refrains, pathetisch-bildhafte Lyrics und trockene Gitarrenriffs. Eigentlich reichlich unoriginell, aber in der Umsetzung so stimmig, dass selbst der Boss himself zum Fan mutierte.

Und wer diese Band in einem ihrer brennenden Club-Gigs hierzulande live sah, versteht das sogar. Auf „American Slang“ reduziert sich der Bruce-Faktor deutlich, ohne dass sich das Endergebnis allzu sehr verändert. Etwas Tom Petty-Feeling und schmissige Songlines, die – was natürlich keiner hören will – näher an Bon Jovi und Co. sind als dass das Ganze irgendwas mit Hardcore zu tun hätte. Aber Pathos, Unterhemd, Tattoo und Pick-Up fahren passen in viele musikalische Genres. Am besten vergessen wir die ganzen Vergleiche. Nein, halt - das muss noch rein: „We did it when we were young“ erinnert frappierend an den Song „les morts dansant“ der britischen Melodic Rocker Magnum aus dem Jahre 1985, bevor er etwas Richtung U2 kippt.

 

So jetzt aber: Hirn ausschalten, CD auf dem Weg zum Baggersee einlegen, Kippe in den Mundwinkel und mitgrölen was geht. Das muss auch mal sein. Für die Rückfahrt noch einpacken: „Against Me: white crosses“. Auch hierbei handelt es sich um eine ehemalige Harcore-Band, die die Revoluzzer-Schiene altersgerecht eingestellt und Spaß an einem Kracher-Mitgröhl-Rockalbum mit poppigen Hooklines hat. Klingt eigentlich wie Gaslight Anthem meets Jimmy Eat World. „The Revolution was a lie!“ heißt es hier - der Spaß an der Musik ist geblieben.

 

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