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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:04

HEALTH: Disco 2

08.07.2010

Gesundheit wird auch weiterhin groß geschrieben

Ein mutiges Noise-Album zum Abreagieren und ein versöhnlich-melodisches Remix-Album im Wechsel. Ein Konzept für die Zukunft? Von TOM ASAM

 

HEALTH (bitte in Versalien!) aus Los Angeles haben Spaß an der großen Geste und bedienen sich dabei aller greifbaren Stilmittel. Sie werden gerne als Noiserocker bezeichnet, was zum einen schnell ein schiefes Bild entstehen lässt, zum anderen nur einen Teil der Wahrheit  abbildet. NOISE? Ja! Noise-Rock hingegen lässt einen an die Achtziger Jahre denken und klingt dabei schon etwas verstaubt. HEALTH  aber sind jung, bunt und agil!

 

//NOISE //DISCO //FASHION ...

... lauten die Kategorien auf der Homepage der Band. Von der Struktur klassischen Noiserocks sind HEALTH mit ihrem letzten Studioalbum „Get Color“ nicht weit entfernt. Auch wenn der Gitarrenlärm mit Elektrosounds aufgemöbelt wird. Aber sie liefern Kontraste: der Gesang ist kein Gebrüll, sondern eher Sphärenklang. Plattencover und Outfits sind erfrischend anders als zu erwarten! NOISE ist hier nicht als Ausdruck martialischer Machoattitüde sondern sondern Teil eines größeren Ganzen. Nachdem HEALTH ihrem ersten Album ein Remix-Album folgen ließen, wiederholen sie ihre Vorgehensweise und schicken mit „Disco2“ auch „Get Color“ ein Remixalbum hinterher. Denkt man zwanzig Jahre in der Pophistorie zurück, so kann man sich keinerlei Überschneidung zwischen Käufern von Remixalben und denen noisigen Rocks vorstellen. Während Remixe oft dazu dienten mainstream-orientiertes Material via Disco nochmals zu pushen, befand man sich als - welcher Art von Noise nun auch immer anhängender Fan – zumindest in der eigenen Wahrnehmung fernab jeglicher größeren Öffentlichkeit. Heute fallen viele ideologische Scheingefechte von vornherein weg und laute Gitarren unterlegen die Beiträge des privaten Gruselfernsehens. Also kann man den Lärm auch in schöne House-Sounds überführen (lassen). Letztendlich zählt das Ergebnis, und das stimmt bei HEALTH bisher immer.

 

Von der Band selbst zusammengestellt und produziert, bietet „ Disco2“ erstklassige Remixe von mehr oder weniger Bekannten aus der Elektro-Szene. Mit "USA Boys" gibt es zudem einen neuen Song, den HEALTH zusammen mit Alan Moulder und Trent Reznor von Nine Inch Nails aufgenommen haben. Bei "Eat Flesh" durfte Crystal Castles wieder an die Regler. Die Zusammenarbeit mit dem kanadischen Synthiepop-Duo führte 2007 zum bisher größten Achtungserfolg von HEALTH: „Crime Wave“. Ob Javelin eine aufgefunkte Version von „In Heat“ abliefern oder Pictureplane mit „Die slow“ eine zum Sterben schöne ruhigere Version des Originals abliefern: Disco 2 ist ein stimmiges Album, auch wenn die Vorlagen es einem Remix-Artist sicher nicht einfach machen. Und es passt in ein schwer greifbares Gesamtkonzept einer Band, die einfach erfrischend anders ist, indem sie die Konventionen wenig beachtet, ihre Arbeit aber trotz allem Glamour mit einer angemessenen Zielstrebigkeit und Ernsthaftigkeit versieht.

 

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