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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:04

Norman Palm: Shore to shore

15.07.2010

Der Sound zum Großstadtsommer

Auch wenn er für seine Liebe von Küste zu Küste fliegen muss. Dieser Singer-Songwriter der Laptop-Generation hat die Muse und das Talent, uns glücklicher durch den Sommer zu bringen. Von TOM ASAM

 

Norman Palm aus Berlin? Schon wieder ein New Yorker, der das entspanntere Brooklyn an der Spree sucht? Nein! Portland, oder wenigstens Stockholm? Nichts da! Norman`s Eltern landeten nach einem Fluchtversuch aus der DDR im Gefängnis und suchten sich nach dem Freikauf durch die Westdeutsche Regierung das unauffälligste, langweiligste Eck der Republik aus, um in Ruhe Beatles zu hören. Norman Palm wuchs in Meppen Rock City auf. Und wie es sich für eine Sozialisation in der Provinz gehört, schließt man sich da auch mal einer gitarrengetriebenen Vereinigung junger Männer an. Doch bald schwenkte Norman vom Bandkontext um auf autodidaktische Frickeleien mit Hilfe von Musiksoftware. Erstes hörbares Ergebnis war 2007 eine Single im Sinne des Gender Mainstreaming mit The Cure´s „Boys don´t cry“ und „Girl´s just wanna have fun“ von Cindy Lauper. Für letzteres Stück bastelte er ein Video aus You-Tube-Mädels zusammen – ein Hinweis auf künstlerische bzw. gestalterische Ambitionen. Und so überrascht es auch nicht, dass sein erstes Album „Songs“ eher eine akustische Beilage zu einem überdimensionierten Booklet war - Teil der Diplomarbeit an der Kunsthochschule.

 

Von Backe zu Backe

Mit Shore to Shore liefert Palm nun eine Sammlung voller melancholisch-schöner Popsongs ab, deren Existenz einer zwanglosen Koexistenz von Laptop und Handgemachten geschuldet ist. Bei diversen Künstlern, die sich einem ähnlichen Bereich - der gerne mit Attributen wie Indietronics oder Data-Pop bedacht wird - tummeln, klingt das Ergebnis gerne mal etwas hüftsteif und zu sehr auf den Effekt des Kontrastes bedacht. Shore to Shore hingegen läßt einen nicht gleich an den Entstehungsprozess der Songs denken. Ob Ukulele, Fender Rhodes, Synthie oder Handclaps - Norman schweißt viele Sounddetails zu einem lockeren Ganzen zusammen und stellt die  Songs in den Vordergrund. Diese genießt man wie den Ausklang eines schönen Sommertages. Mit einem Grinsen von Backe zu Backe, das umso wertvoller wird, als es von einem leichten Beiklang der Wehmut und Sehnsucht unterlegt ist. Morgen regnet es, wir müssen ins Büro, der Sommer ist bald vorbei – und wir wollen los zu neuen Ufern. Aber diesen Moment nehmen wir noch mit. Für mich hat dieses Album eine ähnlich angenehme Ausstrahlung wie die Werke von Electric President, die bei Morr Music veröffentlchen - jenem Label, das auch Norman´s selbst produziertes  und ursprünglich in Eigenregie entstandenes Album wiederveröffentlichten.

 


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