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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:04

M.I.A.: MAYA

19.07.2010

Born free. Born to fight, born to entertain.

TOM ASAM hört Arulpragasam.

 

Mathangi „Maya“ Arulpragasam hat mit ihren gerade mal 25 Jahren bereits sehr viel von den Widersprüchen, Gegensätzen und Ungerechtigkeiten dieser Welt erfahren. Geboren wurde sie auf Sri Lanka, einer Insel die seit Jahrzehnten vom Konflikt zwischen Singhalesen und der tamilischen Minderheit geprägt ist. Ihr Vater trat der paramilitärischen Organisation Liberation Tigers of Tamil Eelam bei. Als sie mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern im Alter von zehn Jahren nach London ziehen musste, war der Ausgangspunkt ihrer Sozialisation im Kapitalismus des Westens ein Flüchtlingsheim. Später schaffte sie es dennoch auf das College of Art und landete – mit Unterstützung von Peaches - über den Weg der Kunst und Mode bei der Musik. Nun legt sie innerhalb von fünf Jahren ihr drittes Album vor, hat mit Top-Leuten wie DJ Diplo und Timbaland gearbeitet und war für ihren Songbeitrag „O…Saya“ zum Soundtrack von Slumdog Millionaire für den Oskar nominiert.

 

Laut Times gehört sie zu den „100 World's Most Influential People.“ Sie hat ein Kind mit dem Sohn des milliardenschweren Warner-Chefs und lebt in Hollywood. Klingt wie im Märchen und lässt auf eine Hinwendung zur Leichtigkeit des Seins und den Weg ins polierte Megastardom schließen. Doch auch wenn M.I.A. längst im Mainstream angekommen ist, legt sie scheinbar keinen Wert darauf, mit Madonna und Lady Gaga zu konkurrieren. Ihr mit Elementen von Grime, Dancehall und Elektronischer Musik angereicherter, globaler Sound bleibt auch bei gewissem Hitpotential und Zug zur Tanzfläche aufregend und frisch. Und M.I.A. macht weiterhin ihren Mund auf, wenn ihr was nicht passt.

 

All I ever wanted was my story to be told

Miss Arulpragasam fühlt sich trotz ihrer Popularität nicht immer wohl in ihrer Haut und sie weist – gerne unter Bezugnahme auf ihre eigene Geschichte –  auf politische und soziale Missstände hin. Das  Video zu  "Born Free“, das wegen der Teils drastischen Darstellungen von Gewalt bereits nach wenigen Stunden von Youtube gelöscht wurde, zeigt die Verfolgung von Rothaarigen als Beispiel für Rassismus und staatliche Unterdrückung. Der Song lebt übrigens von einem brachialen Sample des Songs „Ghost Rider“ der NYC-Legende Suicide, dessen Klasse sich auch Trentemöller schon zu Nutzen machte.

 

Ärger wegen M.I.A.-Videos machten schon in der Vergangenheit MTV. Auf „Sunshowers“ passte denen die Aussage „like PLO I don´t surrender“ nicht, bei dem Knaller „Paper Planes“ war man sich nicht zu blöde, das Kernstück des Songs - das Sample eines Schusses- als jugendgefährdend zu monieren. Das Dilemma ist, dass derartige Provokationen und die Gegenreaktionen natürlich medienwirksam und Umsatz steigernd sind. Ob es nun subversiv ist, gewisse Themen aufgrund bzw. trotz seiner Popularität anzusprechen oder eine Strategie um M.I.A. als agile junge Frau mit global-revolutionärem Kämpferimage – quasi als eine Anti-Gaga - breit aufzustellen, kann letztlich in der Komplexität der Dinge nicht immer trennscharf bleiben.

 

Sicher ist: Diese junge Frau hat glaubhaft und unmittelbar schlechte Erfahrungen mit Obrigkeiten und Vorurteilen gemacht und zurecht gerne mal einen dicken Hals. Das muss einfach raus: „All I ever wanted was my story to be told!“ Ebenso sicher: Auch ihr drittes Album hat den nötigen Touch der Frische und Power ursprünglich aussagekräftiger Musikrichtungen wie Punk und Hip Hop, welche die verwirrende und oft bohrend langweilige Unterhaltungslandschaft der Jetztzeit oft vermissen lässt. Es ist sogar um einiges sperriger als der Vorgänger. Nein, eigentlich führt kein Weg an „Maya“ vorbei!


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