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Freitag, 25. Mai 2012 | 10:04

Perfume Genius: learning

19.07.2010

Stille Katharsis

Die puristischen Home Recordings eines jungen Mannes aus dem Staate Washington wirken wie akustische Tagebucheinträge. Berührende Fragilität für die ruhigen Momente. Von TOM ASAM

 

Ein 26-Jähriger schreibt sich seine Seelenpein mittels puristischer Kompostionen vom Leibe, nimmt die reduziert instrumentierten Stücke selbst auf und malt ein passendes Cover mit Wasserfarben dazu. So weit nicht ungewöhnlich. Das erstaunliche ist, dass das Debutalbum von Mike Hadreas aka Perfume Genius es schafft, in diesem lauten, aufgeregten Business wahrgenommen zu werden. Das liegt wohl daran, dass den überwiegend aus Mike´s hoher, zerbrechlicher Stimme und Pianoklängen bestehenden Aufnahmen  eine seltene Unmittelbarkeit innewohnt, welche den Hörer augenblicklich gefangen nimmt. Sie treffen einen unvorbereitet aus einer unbestimmten Ferne, wie eine Flaschenpost mit vor langer Zeit verfassten Gedichten. Sein ganzes Leben habe er damit verbracht, sich vor den Dingen zu verstecken, die ihm, seinen Freunden und seiner Familie widerfahren sind, erklärt Hadreas den Drang, Erfahrungen via Musik zu verarbeiten. Man kommt nicht umhin, diese Textzeilen aus Mr. Peterson zu zitieren:

 

He let me smoke weed in his truck / if I convinced him I love him enough (…)

He made me atape of Joy Division / He told me there was part of him missing

When I was 16, he jumped of a building

 

Die BBC spricht von einem „truly disarming debut of open hearted melancholic splendor.“ Entwaffnend ist es in der Tat, wie einem dieses Debut eines in jungen Jahren bereits vom Leben gestreiften Mannes begegnet. Der Blick in den Abgrund übt eine gewisse Faszination aus. Andererseits wünscht man sich fast, da stecke mehr Medieninszenierung dahinter, als es scheint,  fühlt man sich doch wiederholt an Elliot Smith erinnert. Hoffentlich hat die musikalische Katharsis ausreichend heilende Wirkung!


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