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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 07:58

Klangforschung

19.08.2010

Dem Groove auf der Spur

Was macht man an einem Sonntag im August, der seiner Aufgabe als Sommertag so gar nicht gerecht wird? Die DFB-Pokal Spiele im Videotext verfolgen? Fruchtfliegen mit der Kuchengabel erstechen? Die Fenster putzen, falls Google reinschaut? Eher die Kopfhörer rausgekramt und ein paar Scheiben abgehört. Von DAVID EISERT

 

FOPS aus San Francisco sind Chadwick Donald Bidwell von Ral Partha Vogelbacher und Dee Kesler von den Thee More Shallows, die mit Yeth Yeth Yeth den ersten Output, ihrer auf zwei Veröffentlichungen ausgelegten Zusammenarbeit, vorlegen. Die Infos von Monotreme Records sind spärlich, auch das Internet gibt wenig her. Eine Recherche nach FOBS führt zum ‚Fractional Orbital Bombardment System’ (kurz FOBS), einem Kriegsspielzeug, dass von 1969 bis 1983 in den Hangars der UDSSR verrottet ist. Mit viel Humor kriegt man die Kurve zu unseren FOBS. Spielte doch in dieser Zeit die Musik, die die Beiden als ihre Haupteinflüsse benennen, Krautrock und 80er Jahre Synthie-New Wave. Wobei Zweites ohne das Erste nie entstanden wäre. Der Sound von FOBS basiert auf einem organischen Groove, erzeugt von echtem Schlagzeug, Bass und Gitarre, zu dem mit alter Synthesizer- und Sequenzertechnik Klangexperimente erzeugt werden. Keslers Stimme gibt dem Ganzen einen Rahmen, die Instrumente toben sich aus. Die Platte hat einen interessanten, stilistischen Aufbau. Sind die ersten 4 Tracks krautrockig, von Cluster und Faust beeinflusst, geht es im Anschluss new-wavig weiter. Die Drums werden synthetischer, die Melodien ein wenig kühler, die Stimmung britischer. Zum Finale schließt sich der Kreis wieder gen Festlandeuropa und die Amis hauen noch `nen Ambient Track raus. „Prepare to dance whilst scratching your head“. Sehr schönes Album und im Frühjahr 2011 folgt auch schon der zweite Streich.  

 

Weiter geht’s an die Ostküste Italiens. Aus Ancona kommen Lush Rimbaud, die mit The Sound Of The Vanishing Era ihre Definition des Groove abliefern. Track 3, They make money (we make noise), trifft die Situation in Italiens darbender Musikszene auf den Punkt. Gibt es auf dem Stiefel zwar eine lebendige Prog- und Experimentalszene, fehlt es an vernünftiger Infrastruktur hinsichtlich Auftrittsmöglichkeiten, Labels, Vertrieben und so weiter. Bezeichnenderweise werden Lush Rimbaud via Frankreich promotet. Aber was da auf Reisen geschickt wird ist beeindruckend. Roh, direkt, authentisch! Wie eine Dampflok, die langsam Fahrt aufnimmt, walzen sich die vier Italiener durch ihren Spacerockcosmos, der mich ein wenig an Hawkwind erinnert. Sehr percussiv, hypnotisch, verstörend und zwischen die Augen. Die organischen Drums und allerlei Schlagwerk bestimmen den Sound. Würde Berlusconi nicht nur den Speichelleckern aus den eignen Reihen zuhören, er bräuchte kein Botox mehr. Lush Rimbaud ziehen ihm die Kopfhaut schon stramm. Veröffentlicht wird auf Vinyl, dann kommt das Siebdruck Cover – der Anarchist und Philosoph Errico Malatesta reitet auf einer Kuh mit Chameleonkopf über ‚nen Regenbogen – auch entsprechend zur Geltung. Live müsste das richtig gut kommen. Leider sind Konzerte außerhalb Italiens derzeit nicht vorgesehen. Musst du halt beim Sommerurlaub von Rimini aus in die Clubs!

 

Frankreich war schon als Businesspartner dran, nun schicken die Franzosen noch ‚ne eigene Band ins Rennen. Smooth aus Nantes bringen mit The Parade ihr drittes Werk an den Start. Es grooved hier etwas cooler, mehr laid-back - smooth eben. Dabei wissen die Franzosen genau was sich gehört. Popmusik mit Stil und Seele. Viele englische Bands der mittleren Neunziger wären neidisch gewesen auf die Leichtigkeit mit der das Trio Soul, Disco, Rock und Pathos vereint. Hier wird kein klebriger Pina Colada angerührt, sondern ein trockener Martini bestellt. Dazu gut geschnittene Anzüge mit schmalen Krawatten, Gitanes ohne sowieso und Turnschuh nur zum Sport. Wobei gilt: no sports! Smooth haben ein Gespür für den Hit, die richtige Melodie aber auch für ein paar quere Samples. Sie bringen den Club in Wallung, funktionieren aber auch auf der heimischen Anlage. Gute Platte und der Regen ist fast vergessen. 


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